Phasen zur Arbeitsstrukturierung

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Die Idee von der Einteilung der Arbeit in Phasen ist uralt. Das Denken in Abschnitten ist uns praktisch von der Natur vorgegeben. Die Jahreszeiten bestimmen die Arbeitsschritte beim Ackerbau, eine Jagd beinhaltet immer wieder ähnliche Schritte, die durchzuführen sind, unser ganzes Leben lässt sich in Abschnitte teilen. So verwundert es nicht, dass auch kreative Arbeit, wie das Musizieren, die Bildende Kunst aber auch das technische und lyrische Schreiben klassischer Weise in Schritte oder Phasen eingeteilt werden kann. Die fortschreitende Digitalisierung bietet uns jedoch die Möglichkeit, die Grenzen zu verwischen. Ich gehe so weit zu sagen, dass sie uns in Versuchung führt, phasenlos zu arbeiten, was leicht zu einer unstrukturierten und ineffizienten Arbeitsweise führt.

Die Erleuchtung kam mir beim Mixen. Harddiscrecording, genauer das Aufnehmen, Arrangieren und Abmischen, sowie Mastern von Musik lässt sich mit moderner Software auf einem handelsüblichen PC oder Mac hervorragend realisieren. Dabei kann man immer zwischen der Aufnahme, dem Arrangement, dem Mix und wieder der Aufnahme hin und her springen. Doch stellte ich fest, das unsere “gewachsenen” Aufnahmen nie so recht rund werden wollten. Den entscheidenden Hinweis bekam ich aus einem Buch über digitales Produzieren von Musik, in dem dazu geraten wird, die Phasen einzuhalten, die man vom alten Handwerk mit Tonbändern und Mischpult noch kennt. Erst muss das Stück fertig sein. Dann werden alle Aufnahmen gemacht und danach macht man sich an den Mix, bevor das Stück gemastert wird. Und ich muss sagen: Die ersten so entstandenen Aufnahmen sprechen für sich. Und nicht nur das. Ich bin mir sicher, auch erheblich schneller zum Ergebnis zu kommen.

Was für die Musik gilt, gilt auch für das Schreiben oder für Projekte im allgemeinen. Früher hat man sich eine Idee, einige Thesen oder Fragestellungen aufgeschrieben, ist in die Bibliothek gegangen, hat dort eine Weile zu einem Thema recherchiert, sich Notizen gemacht und ist dann zurück, um einen Entwurf und schließlich eine Niederschrift oder einen Druck zu erstellen. Heute kann ich praktisch ständig zwischen Recherche und Layout, Text und Notizen hin und her springen. Kurz: So sieht das Ergebnis dann auch aus. Und oft sitzt man dann lange Zeit daran, aus dem Gewurschtel, wenn überhaupt ein Ergebnis existiert, einen lesbaren und in sich schlüssigen Text zu machen. Der Trend führt da hin, den letzten Schritt einfach komplett zu streichen, möchte ich gerne noch zynisch hinzufügen.

Meine dringende Empfehlung ist, sich seine Arbeit in einzelne Abschnitte zu zerteilen, evtl. sogar Zeiten dafür vorzusehen und dann eine Phase nach der anderen zu durchlaufen. Abhängig vom jeweiligen Ergebnis ist es natürlich möglich, den einen oder anderen Schritt zu wiederholen oder sogar mehrere Schritte zurückzugehen, um später zu einem besseren Ergebnis zu kommen. Nur sollten die Phasen nicht zu kurz sein und sollte man nicht zu früh dazu neigen, einen Zwischenstand zu verwerfen.

Es hilft ferner für die einzelnen Abschnitte einen Ortswechsel zu vollziehen oder wenigstens andere Werkzeuge zu benutzen. So recherchiere ich gerne am Schreibtisch mit dem großen TFT oder sitze an einem anderen Tisch mit einem Buch, schreibe aber sehr gerne auf dem kleinen Netbook, weil das für einfachen Text schlicht optimal ist. Layout etc. übernehme ich dann gerne wieder am großen Rechner. Wie bekannt mache ich Skizzen und Gliederungen auch gerne mal analog oder mit speziell dafür vorgesehenen Programmen.

Um sich auf einen neuen Abschnitt konzentrieren zu können, helfen auch Riten weiter. Das muss nicht unbedingt das Enthaupten von Hühnern oder Ausweiden von Schweinen vor dem nächsten Gitarrentake sein. Es reicht mir z.B. aus, vor dem Niederschreiben eines Textes erst einmal alle unnötigen Programm zu schließen, mir ein Glas Wasser oder einen Kaffee zu holen, die Notizen zurechtzulegen und etwas zu lüften bevor ich dann loslege. Durch stetige Wiederholung kann man sich selbst darauf trainieren, immer schneller konzentriert bei der Sache zu sein. Irgendwann fängt man automatisch zu tippen an, wenn jemand ein Fenster öffnet.

Phasen müssen heute oft nicht mehr sein und ein flexibles Hin und Her ist jeder Zeit möglich. Jeder sollte sich jedoch fragen, ob er mit einer freiwilligen Einteilung nicht strukturierter und schneller zum Ziel kommt. Orte, Werkzeuge oder auch selbst erdachte Riten können helfen, die Phasen einzuhalten und sich darauf einzustellen.

2 Gedanken zu „Phasen zur Arbeitsstrukturierung“

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