Teures Smart- und Internetzeug schon morgen für die Tonne

Na, wann ist Dein Smartphone eigentlich End-of-Life? Nein, ich meine nicht, wann Du ein neues haben möchtest. Ich meine: Welches Ablaufdatum hat der Hersteller von Deinem Handy da drauf geschrieben? Was soll da ablaufen, fragst Du? Die Software! Irgendwann gibt es einfach keine Updates mehr für Dein Handy, Deinen Router, Deinen Laptop, Dein Tablett, … alles, wo Computer drin sind (trifft heute auf fast jeden Toaster zu) und was irgendwie Zugang über Internet hat (streng genommen eigentlich auch Bluetooth und alles mögliche Zeug, über das man die Geräte fern steuern kann).

Ich gehe hier regelmäßig die Decke hoch, wenn ich immer mehr durch Zufall herausfinde, dass eines meiner Geräte seit x keine Updates mehr bekommen hat und nach langem Recherchieren sich herausstellt, dass da auch nichts mehr kommen wird und – und deshalb ist das wichtig(!!) – es natürlich die eine oder andere Sicherheitslücke zu dem Gerät gibt.

Allerdings sind die meisten Hersteller nicht einmal transparent genug zu sagen:

Hallo Thomas,

wir machen hier jedes Jahr cooles, neues Zeug, was wir auf den Markt bringen und was alles echt viel Arbeit macht. Wir haben wirklich keine Zeit mehr, uns um Sicherheitsupdates von Deinem 3 Jahre altem mehrere hundert Euro teurem Schrott zu kümmern. Kauf Dir doch bitte für ein paar tausend Euro neues Zeug von uns. Keine Ahnung, wie lange wir dafür dann Patches anbieten.

Dein lieber Elektroschrott-Hersteller

Abgesehen davon, dass ich als Enkel von Menschen, die hier in Berlin aus Tonnen von Geröll, wieder Häuser gebaut haben und die nichts wegwerfen durften, um zu überleben einfach ein Problem damit habe einwandfrei funktionierende Geräte einfach so weg zu werfen…

Abgesehen davon, dass die Entwicklung, Herstellung, das Beschaffen der Rohstoffe, … Unmengen Ressourcen fressen…

Eine nicht repräsentative Umfrage unter meinen Freunden und Bekannten ergibt, dass die meisten gar nicht wissen, dass sie mit Zeug herum laufen, dass seit Monaten und Jahren keinen Support mehr bekommen hat und sie damit sinnbildlich ohne es zu wissen mit runter gelassenen Hosen im Internet stehen.

Beim Suchen bin ich auf eine Webseite gestoßen, die versucht, die End-Daten von Hard- und Software zusammenstellt und die oft schneller die Antwort auf die Frage beantwortet, ob das, was ich hier in der Hand halte noch halbwegs sicher sein kann oder nicht: https://endoflife.date

Einer meiner Söhne wollte sich ein neues Handy kaufen und ich versuchte herauszufinden, wie lange das dann vermutlich noch Support haben wird. Ergebnis war, dass das Netz voll war mit Beschwerden, dass die Sicherheitspatches Monate zu spät raus kommen und es keine Aussage dazu gibt, wie lange er denn das Gerät benutzen können wird.

Als ich auf der Suche nach einem preiswerten Dual-SIM Handy war, ist meine Entscheidung auf ein Nokia gefallen, weil die Android One Handys im Angebot hatten. D.h. die Geräte bekommen ein pures Android ohne Nokia-Spezialitäten, dafür aber lange und schnell Sicherheitsupdates.

Einen Schritt weiter geht das Fairphone: Hier wird versucht, so ressourcenschonend und langlebig, wie irgendwie möglich zu arbeiten und dabei die Rohstoffe nur aus fair gehandelten Quellen zu beziehen. Aber noch mehr: So ein Fairphone ist auch so konstruiert, dass man es selbst ohne großen Aufwand reparieren kann. Ersatzteile gibt es vom Hersteller auch noch Jahre nach dem Verkauf. iFixit vergibt dafür 10 von 10 Punkten bei der Reparierbarkeit des Fariphone 3. Und wer will, muss beim Fairphone auch nicht auf Android setzen, sondern hat die freie Wahl beim Betriebssystem seines Handys.

Wo wir gerade bei iFixit waren. Klar… die verdienen Geld mit Werkzeugen und so. Aber Geschäfte machen, bei denen beide Partner gewinnen, ist in meinen Augen eigentlich eine gute Sache. iFixit setzten sich daher (nicht ganz uneigennützig aber mit den richtigen Argumenten) für das Recht zu Reparieren ein.

Ein Schritt in die Richtige Richtung ist in meinen Augen die [Update Pflicht, die für einige Geräte geplant ist.

Da schreien jetzt natürlich wieder ganz viele Firmen, das würde ihr Geschäftsmodell zerstören, alles würde teurer werden und Innovation bremsen. Und sicher sind auch da gute Argumente dabei. Aus meiner Sicht brauchen wir als erstes Transparenz. Wenn mir ein Hersteller sagt, dass mein Laptop mindestens 5 Jahre mit Updates versorgt wird, dann kann ich mir sagen, dass ich den sowieso nicht länger benutzen wollte (bei der Steuer, ist der ja nach 3 Jahren durch) oder ich kann für mich entscheiden, dass mir das nicht reicht.

Es kann auch eine Möglichkeit sein, seine Geräte so zu öffnen, dass ein Betrieb nach der Support-Zeit durch den Hersteller dann mit OpenSource Lösungen möglich ist. So läuft bei mir ein Ubuntu-Server auf einem alten Mac mini, der bestens für die Aufgaben hier zu Hause geeignet ist aber leider kein aktuelles macOS mehr erhält.

Ganz schlimm wird es übrigens noch mal bei Geräten, wo man es gar nicht vermutet. So gibt es einfach keine Treiber mehr für meinen Scanner oder ganz berühmt für elektronische Musikinstrumente und man muss noch irgendeinen alten Rechner mit einem alten Betriebssystem aufheben und vom Netz trennen, damit man z.B. das Audiointerface weiter betreiben kann.

Ich fürchte, dass ich mich noch sehr lange über fehlende Updates aufregen kann und dass wir noch ganz schlimmer Hacks über Smartphones, Smarte Heizungssteuerungen oder Steckdosen sehen werden… und bei allen diesen Geräten ist der Unterhaltungswert für die Betroffenen auch begrenzt (wenn man die Feuerwehr rufen will aber das Handy nicht mehr reagiert, wenn der Laptop plötzlich nicht mehr fürs Homeschooling zur Verfügung steht oder jemand im Winter die Heizung aus macht und die Katzen zu Hause krank werden, nur um mal nicht die schlimmsten Horrorszenarien zu bemühen).

Fazit: Wenn ihr wieder Elektrozeugs shoppen geht, schaut doch mal nicht nur nach dem billigsten Kram mit den geilsten Zahlen, sondern auch danach, wie lange und wie gut es da mit Securitypatches aussieht und ob es nicht eine freiwillige Aussage dazu gibt. Und man kann sich natürlich auch danach richten, wie gut es mit Reparatur und Ersatzteilen steht oder woher die Rohstoffe kommen und wie die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung sind.

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