Wie geht Internet im Zug?

Gerade sitze ich am Lagerfeuer in einem eigens dafür gebauten Häuschen an meinem Urlaubsort in Brandenburg. Meinem MacBook kann ich hier Internet nur via Bluetooth, Handy und UMTS beibringen. Die Anbindung ist dann nicht besonders gut. Und das erinnerte mich an eine Idee, die ich auf meiner letzten Dienstreise hatte.

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Damals war ich unterwegs zu einer Tagung. Diese fand im Süden Deutschlands statt und forderte eine viele Stunden dauernde Zugfahrt. Diese Zeit wollte ich natürlich unbedingt auch zum Arbeiten nutzen. Immerhin wird es ja als Arbeitszeit auch bezahlt. Meine Ausrüstung: Ein Laptop, ein USB-Stick und ein UMTS-fähiges Handy. Im ICE funktioniert beides meist ganz gut. Man kommt gerade auf EDGE-Geschwindigkeiten. Aber es klappt irgendwie, jedoch lange nicht die gesamte Fahrt lückenlos. Ganz problematisch werden die Abschnitte, die ich mit dem RE zurücklegen muss. Hier ist eine stabile Internetverbindung Glückssache.

Nun bin ich schon öfter auf diese Art unterwegs gewesen und so war ich diesmal auf all diese Gegebenheiten vorbereitet. Mein (zugegeben ketzerischer) Lösungsansatz: Offline arbeiten!

Es gibt unglaublich viele Dinge, die im Büroalltag liegen bleiben. Dabei sind auch einige Aufgaben, die bei geeigneter Vorbereitung auch offline möglich sind. Offline heißt nicht zwangsweise auch analog.

Eine Zugfahrt sollte vorbereitet sein. Ich hatte hier an dieser Stelle schon mal eine Lanze für das Arbeiten in Phasen gemacht. Genau diesen Ansatz möchte ich hier noch einmal propagieren. Man sucht sich Aufgaben, bei denen ein möglichst hoher offline-Anteil möglich ist und bei dem man online vor- oder nachbereitet. Damit lässt sich eine stundenlange RE-Fahrt abdecken. Gute Beispiele hierfür sind:

  • Das Lesen von längeren Artikeln oder Büchern,
  • Ausarbeitung von Plänen (wie Projektpläne),
  • strategische Arbeiten,
  • Sortierung, Vor und Nachbereitung von Ideen,
  • asynchrone Korrespondenz

Das Lesen von längeren Artikeln oder Büchern lässt sich ggf. mit einem iPod und guter Musik auf dem Ohr im Zug sehr schön erledigen. Muss man hier Dinge nachschlagen, so helfen hier Offlinetools, wie Wörterbücher, Lexika etc. oder man kann entweder nach der Zugfahrt nachschlagen, in einem Bereich mit guter UMTS-Abdeckung oder evtl. sogar schon vor der Abfahrt.

Muss man Projektpläne ausarbeiten, so gehört in der Regel das Zerlegen der Arbeitspakete in kleine Aufgaben, das Erarbeiten von Abhängigkeiten und die Definition von Meilensteinen dazu. Ein Seegen, wenn man mal fünf Stunden Zugfahrt für ein größeres Projekt hat in denen man von niemanden gestört wird. Ist der Handyempfang schlecht genug, gibt es nicht einmal Anrufe.

Wie viele Entscheidungen gibt es denen man lieber ein paar Gedanken mehr eingeräumt hätte? Zeit, mal ein paar Notizen durchzublättern. Ich finde alle in dem einen Notizbuch das ich habe (wer hier trennt, hat mehr Gepäck) bzw. den ein bis zwei Dateien auf der Festplatte. Ansonsten sortiere ich dann gerne in Outlinern, male Mindmaps oder irgendwelche Architekturskizzen o.ä. Das geht alles hervorragend auf dem Notebook oder auf einem stink normalen Stück Blanko A4.

In eine ähnliche Richtung geht das Durchblättern des Notizbuchs oder meiner Dateien für Ideen. Lesen, durch den Kopf gehen lassen, kritzeln, strukturieren, fortspinnen.

Zu guter letzt kann man sich für die Beantwortung unendlich langer Mails oder z.B. für eine große Ankündigung oder die ultimative Antwort, auf die keine Rückfragen mehr kommen lassen im Zug mal genügend Zeit nehmen. Die meisten Mailer beherrschen heute einen Offline-Modus, in dem ein Großteil der Archivmails zur Verfügung stehen und in dem man Mails schreiben und bei der nächsten Online-Gelegenheit abschicken kann.

Das schöne ist: Hat man sich vor der Fahrt schon überlegt, was man alles machen könnte, so kann man wie von David Allen angepriesen, einfach zu jedem Zeitpunkt die Aufgabe heraus greifen, für die man sich gerade fit genug fühlt und hintereinander durch arbeiten. Ich persönlich war auf den letzten Zugfahrten immer extrem produktiv.

Für mich und die meisten anderen scheint ein Offline-Arbeiten möglich. Situationen, wie Zugfahrten zwingen einen dazu, endlich gemäß der natürlich Phasen zu arbeiten und nicht ständig zwischen Durcharbeiten, Recherche, Reaktion und anderen Tätigkeiten hin und her zu springen. Für mich waren die Arbeiten offline immer so produktiv, dass ich auch angefangen habe mich auf Arbeit irgendwo hin zurückzuziehen, das WLAN auszuschalten und einfach mal für ein bis zwei Stunden offline zu sein.

Zum Thema „Offline als Chance“ gibt es auch Artikel auf zeit.de. Wie entkommt man dem Netz? Auch wenn ich ihm nicht gänzlich entkommen will, so will ich doch aber Raum für konzentriertes und fokussiertes Arbeiten schaffen. Das Thema „Abschalten“ wird im Netz aus gutem Grund immer mal wieder diskutiert. Ich selbst treibe es damit nicht sonderlich weit. Was ich aber nicht will, ist wie ein Käfer auf dem Rücken liegen, wenn ich mal Google nicht zur Hand habe. Es geht temporär auch ohne. Und man kann fehlende Connectivität auch zum Vorteil ausbauen.

5 Gedanken zu „Wie geht Internet im Zug?“

  1. Technisch betrachtet: Im ICE funktioniert es vor allem dann gut, wenn man bei der Platzreservierung das Handyabteil bucht – sonst hat man Pech. In der 1. Klasse gibt es in ausgewählten Zügen/Regionen auch T-Mobile Hotspots, so man denn in seinem Vertrag den Zugriff drin hat. Die sind natürlich ihrerseits auch wieder nur über 3G angebunden.

    IC, EC, IR und RE bieten in der Regel derlei Vorzüge nicht.

    Der Hintergrund des schlechten Empfangs ist die Wärmedämmung der Züge: Neben dem offensichtlich metallenen Zugkörper sind die Scheiben auch mit Metall bedampft, was den Empfang (und das Raussenden) natürlich deutlich behindert.

    Ausgenommen von dieser Dämmung sind in den genannten Zugarten ein paar wenige Teile: Je nach Zug sind die Fenster der Sanitärabteile nicht bedampft und natürlich hat man Chancen aus der Lücke zwischen den Wagen zu senden. Beides keine anheimelnden Plätze für gepflegtes Arbeiten im Zug.

    Verwendet man allerdings keinen UMTS-Stick (die DInger sind wegen der ewigen Treiberproblematik eh doof), sondern einen MiFi (Mobile WiFi) AP, kann man schon einiges machen. Das sind kleine Geräte, ich hab einen Huawei E585, die im Prinzip zur einen Seite 3G und zur anderen Seite WLAN sprechen. Damit sind sie von der Treiberproblematik entbunden, man kann mit ihnen gleich noch die Datenverbindung des Handys sicherstellen – und man kann sie mit etwas Geschick und Klebeband (und Mut) an Stele platzieren, wo sie nicht auffallen, aber deutlich besseren Empfang haben. Das ist übrigens nicht nur in Zügen von belang, sondern kann auch auf Booten oder im Hotelzimmer ein unschätzbarer Vorteil sein!

    Auch das schützt bei Tunnels und in sehr ländlichen Gegenden nicht vor Funklöchern, insofern ist die Möglichkeit auch offline arbeiten zu können immer angebracht, aber so ein Ding hat mir das Leben schon oft erleichtert. Übrigens auch, wenn man es im Ausland mit einer entsprechenden Prepaid-Karte für den Datenverkehr bestückt und das Handy darüber online gehen läßt, gleichzeitig aber seine normale Telefonnummer etc. behält.

  2. Nachdem mein UMTS-Stick aus dem Büro wieder einmal die nächste MacOS-Version verpennt hat wäre es in der Tat eine gute Idee für die nächste Dienstreise mal so ein MiFi-Vieh zu kaufen. Dann gibt es an gleicher Stelle vielleicht auch noch mal echt was zu „online“ zu lesen 😉

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