Der Atomausstieg ist so sicher, wie das Amen bei der Rente

Kurz, nachdem die Bundesregierung vor sieben Jahren den „Atomausstieg“ mit vielen faulen Kompromissen beschlossen hatte, grinste ein Atomstrom-Lobbyist auf meinem zu 30% durch Atomstrom gespeisten Fernseher in die Kamera und versicherte siegessicher, wir werden in Deutschland Atomenergie haben, so lange Uran noch wirtschaftlich abgebaut werden könne.

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Egal, ob Frau Merkel gerade das Leinöl knapp wird oder ein alamierender Bericht zu Umweltthemen vorgelegt werden. Sofort schreit wieder jemand auf, dass wir doch diesen blöden Atomausstieg rückgängig machen sollen. Annette und ich haben unseren Ausstieg heute beschlossen und sind dabei, ihn umzusetzen.

Mit meiner Bewag war ich noch zufrieden

Bis Ende 2005 hatte Berlin seine Bewag. Die Bewag betrieb in Berlin zwar Kohle-, aber wenigstens keine Atomkraftwerke. Und wenn man lokale Arbeitsplätze erhalten kann, ist das natürlich auch ein Argument.

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Quelle: Timo Fuchs

Gegen Ende bot die Bewag auch einen Tarif an, mit dem man Strom aus erneuerbarer Energie fördern konnte. Seit 2006 heißt Bewag jetzt aber Vattenfall. Sonst ändert sich nix. Denkste!

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Quelle: Andre Seidelt

Zwar hielt Vattenfall Preise und Arbeitsplätze stabil (so war die Behauptung, danach ging es schon mal 6% mit den Preisen hoch). Für mich als Endkunde änderte sich jedoch ganz massiv etwas. Denn Vattenfall betreibt eine ganze Reihe von Atomkraftwerken und das nicht einmal besonders gut, wie man im Fall Fosmark sehen konnte.

Kernenergie als umweltfreundliche Alternative?

Kaum kommen die alamierenden Berichte über den Klimawandel rein, wird wieder nach Kernenergie geschrien, als wäre das das Heilmittel für diese Welt. Kernenergie hat vielleicht eine gute CO2-Bilanz. Aber was bringt uns das, wenn wir nicht wissen, was wir mit den Abfällen aus Atomkraftwerken wirklich tun wollen. Was nützt ein geringer CO2-Ausstoß, wenn irgendwo auf der Welt radioaktives Material austritt und riesige Landstriche auf Jahrhunderte verseucht?

Auch ich habe mal an sichere Atomenergie geglaubt. Heute denke ich, dass es sie vielleicht geben könnte, wenn keinerlei finanzielle Interessen dahinter stehen würden. Aber die Atomenergie kann auch nicht die Antwort auf alle Energiefragen sein. Natürlich wollen wir unabhängig sein und billigen Strom. Wenn wir nun mal aber nicht in der Lage sind, unseren Strom mit eigenen Ressourcen umweltschonend herzustellen, dann müssen wir importieren. Ja, und wir sind vielleicht abhängig von den bösen bösen Russen. Aber Kernenergie ist keine Option. Davon abgesehen, dass nach Aussagen von Herrn Trittin nur ein geringer Prozentsatz des Stroms überhaupt aus Kernenergie gewonnen wird (die Geschichte hinkt natürlich, weil man ja gerade das ändern möchte von Seiten der Atom-Lobby), kann die Alternative natürlich auch einfach sein, dass wir uns den Strom nicht leisten können. Schluss mit Lustig! Energiekriese!

Atomstrom ist eben keine Option!

Aber dann müssen wir uns diesen Herausforderungen eben stellen. Wir können nicht auf eine Technik setzen, deren Energiebilanz insgesamt negativ ist, wenn wir so ein Atomkraftwerk mal von Bau bis zur umweltgerechten Entsorgung ansehen. Atomstrom wird mindestens in Teilen staatlich gefördert. Ich würde die Kraftwerkbetreiber ja die Sicherung ihrer Atommülltransporte selbst bezahlen lassen. Und natürlich dürfen sie ausschließlich im Bereich von Endlagern wohnen. Die nächsten 20 Generationen… ach… die gibts nicht? Ach, Leukämie wird sicher überbewertet!

Ich will nicht versäumen, noch auf eine Demonstration am 8.2. hier in Berlin hinzuweisen.

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Mehr Informationen hierzu findet Ihr auf der Webseite von niXatom. Das hier von mir fotografierte Plakat gibt es zum selbst ausdrucken auch noch mal im Bereich „Material“.

Die Macht des Endkunden oder was man noch tun kann

Die Seite niXatom verlinkt auch auf die Seite Atomausstieg selber machen. Hier haben ich mich gemeinsam mit Annette über verschiedene Stromanbieter informiert und als Kompromiss aus Preis und Philosophie, Transparenz und schönster Webseite ;-) LichtBlick ausgewählt. Nach Annettes messerscharfer Kalkulation kostet uns unser eigener Ausstieg etwa 160 EUR pro Jahr (es geht auch preiswerter!). Das ist das Geld, das wir bei gleichbleibendem Verbrauch und Preisen gegenüber der Vattenfall-Rechnung mehr bezahlen müssten. Auf den Monat gerechnet sind das 13 EUR. Das ehrgeizige Ziel könnte nun für uns sein, diese 13 EUR pro Monat durch weitere Energieeinsparungen wieder rauszuholen. Denn das es weniger werden muss, ist doch klar.

Also schnell den Vertrag unterzeichnet und mal in der Wohnung nach noch existierenden Stromfressern gesucht.

BTW: Rebecca hatte gestern von noch mehr Blödsinn erzählt, den sich Vattenfall geleistet hat. Hier habe ich aber keine Quellen gefunden. Wenn jemand da noch was nachreichen möchte. Ein anständiges Contra ist natürlich auch gerne gesehen. Also Vattenfallmitarbeiter und Freunde vor!

6 Gedanken zu „Der Atomausstieg ist so sicher, wie das Amen bei der Rente“

  1. Glückwunsch!
    Auf ganz anderm Wege bin ich vor ein paar Monaten genau zu derselben Entscheidung gekommen.
    Leider hat unser „lokaler“ Stromanbieter Eon Mitte so kundenunfreundliche Vertragszeiträume, daß meine im Herbst ausgeprochene Kündigung erst Ende dieses Jahres zieht. Aber dann gibt es 1 echten Lichtblick! :-)

  2. Jetzt hab ich ein schlechtes Gewissen… ganz im Ernst. Ich kenne LIchtblick zwar schon länger, aber die Preise sind für einen (Informatik)Studenten nicht tragbar. Sind die Strompreise so ja schon kaum… und trotzdem – da ist immer der kleine Rufer im Hinterkopf. Auf jeden Fall Glückwunsch zu der richtigen Entscheidung. In dem Zusammenhang fällt mir noch das hier ein: http://www.atmosfair.de/ – auch für Flugangstpatienten wie mich interessant :)

    Gruß
    Robert

    PS: Aber nächstes mal dann auch fein grün wählen.

  3. Lieber Robert!

    Die Frage ist doch auch als Student, was man sich leistet und was nicht. Wenn ich im Monat einmal weniger Sushi essen gehe, habe ich den Ökostrom schon wieder drin. Es kann ja nicht sein, dass wir uns auf den Standpunkt stellen, dass wir es uns finanziell einfach nicht leisten können, unsere Welt zu erhalten! „Tut mir leid, mein Sohn, aber für deine Playstation mussten wir Dir leider Europa verstrahlen.“

    Im Ernst, für manche Dinge muss vielleicht einfach Geld da sein, oder man muss sich eingestehen, dass man es sich in Wirklichkeit gar nicht leisten kann. Aber das ist nur meine Meinung.

    Gruß,
    Thomas

    PS: Wahlgeheimnis ist eine tolle Sache. Aber ich überlasse es mal meinen Lesern darüber zu spekulieren, was ich wähle.

  4. Ich betreib meinen Rechner, der übrigends 350 Watt beim Spielen zieht, seit mehr als 5 Jahren mit atomfreien Strom von Lichtblick.

    Und nicht nur das!

    Seid einem Jahr habe ich eine Wasserkühlung, mit der ich über einen Radiator nebenbei die Wohnung heize. Das Ergebnis: Die Gasrechnung (wir haben Gasheizung) ist um die 100 EUR billiger als im letzten Jahr.

    So, ihr Hobby-Grünlinge. Die Doppel-Öko-Strategie müsst Ihr erstmal toppen.

    ;)

  5. Leute, hab ich Euch schon mal erzählt, dass der Lars mein langjähriger Freund und sogar mein Trauzeuge ist? Ist er nämlich. Und das ist er u.a. weil er in vielen Belangen einfach mal ein anständiges Vorbild ist. Der Mini hat nur 110 W Leistungsaufnahme. Damit können wir noch kein Wohnzimmer heizen. Ist aber ein guter Ansatz zu überlegen, wie man die Nebeneffekte noch ausnutzen kann. Respekt!

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