Besucher aus einer anderen Zeit

Gestern war wieder einer der Tage, an denen ich in Potsdam unterrichte. Da meine Kursteilnehmer diesmal jedoch zu einer Exkursion in die TU kamen, hatte ich morgens noch reichlich Zeit – und unglaubliches Glück, wie sich herausstellte.

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10:50 Uhr, Berlin, Tiergarten. Es ist windig. Gegen das gleißende Licht der tiefstehenden Sonne sehe ich einen Schattenumriss, den ich sofort erkenne.

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Wieder eines dieser „Urzeitvögel“ mit ihrer beeindruckenden Größe und ihrem langen Hals. Der Kollege hier sitzt zusammengekauert und wartet den Wind ab. Beim Versuch eine bessere Position zu finden, um ihn zu fotografieren, fällt mir der Reiherbaum auf.

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Ich kämpfe mich also um den See, um möglichst Dicht an diesen Baum heranzukommen. Und dann passiert es: Knirsch-knack… irgendwie habe ich mich ungeschickt angestellt. Sofort bricht im Baum Panik aus. Das habe ich nicht gewollt. Aber es ist meine Chance. Wenn ich mich jetzt „unsichtbar“ mache, werden die Reiher merken, dass keine Gefahr besteht und vermutlich sofort wieder zu ihrem Baum zurück kommen.

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Schnell montiere ich mein (zugegeben sehr bescheidenes Telezoom). Hätte ich jetzt die richtige Optik dabei, könnte ich preisverdächtige Fotos schießen. So bleibt mir nur, aus dem Zoom das bestmögliche rauszukitzeln, indem ich immer versuche im mittleren Blendenbereich zu bleiben und dabei aber die Verschlusszeit nicht zu lang werden zu lassen. Das heisst: ISO-Zahl hoch drehen – Rauschen wird ja überbewertet.

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Ich suche Deckung an einem dicken Baum, an den ich mich von Kopf bis Fuß lehne. Neben dem Versteck bietet mir der Baum auch gleich sehr viel mehr Halt beim Fotografieren.

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Zwischendurch bricht die Sonne durch die Wolken, was ich sofort mit einer Herabsetzung der ISO-Zahl quittiere.

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Die armen, riesigen „Urzeitvögel“ müssen kräftig gegen den Wind ankämpfen. Sie bewegen sich, wie in Zeitlupe. Der Effekt wird natürlich durch mein Adrenalinschub kräftig verstärkt.

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Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei. Alle Reiher sitzen wieder in ihrem Baum. Mit weit mehr, als 50 Fotos, die ich in der Zeit gemacht habe, habe ich die Kamera an ihre absolute Leistungsgrenze gebracht. An ein Überprüfen der Ergebnisse zwischendurch war nicht zu denken. Die einzige Chance, war das Wissen um die Schwächen und Möglichkeiten der Kameraausrüstung abzuspulen und blind zu bedienen. Kamera auf Blendautomatik (Tv), ISO hoch, 1/500 sec und drauf halten. Den ISO-Wechsel machte ich, ohne die Kamera abzusetzen jeweils blind. Den Knopf findet man durch Ertasten, während man im Sucher weiter die Vögel verfolgt und der Wert ist natürlich eigentlich egal. Wichtig ist im Sucher nebenbei zu kontrollieren, auf welchen Blenden und Zeiten man dadurch kommt. Der Rest geschieht am PC.

Vielleicht bekomme ich ja mal für so einen Tag ein ordentliches Telezoom ausgeliehen. Ist nur schwer vorherzusagen, wann wieder so eine Gelgenheit bestehen wird.

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