Das Heckenscherenmassaker

Samstag 8:00 Uhr, Berlin-Reinickendorf: Irgendwo in einem modernen Mietshaus schreckt ein Familienvater aus seinen erotischen Träumen, bereit sich und seine Familie gegen den Heckenscherenmann zu verteidigen. Direkt vor seinem Schlafzimmerfenster im Erdgeschoss findet wieder das Heckenscherenmassaker statt. Jeder Pflanze, die ihr Geäst zu weit in den Gemeinschaftsnutzgarten steckt wird gandenlos niedergemetzelt.

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Um 8:30 Uhr ist der Spuk vorbei. Zu hören nur noch das sich langsam entfernende Geräusch des Rechens, der die hässlichen Überreste des nächtlichen Gemetzels zu beseitigen versucht. Zurück bleiben zerstümmelte Pflanzen und blutunterlaufende Augen.

Natürlich nimmt der jüngste Sprössling der Familie das frühmorgendliche Motorengeräusch vor dem Schlafzimmerfenster zum Anlass, den Tag endlich zu beginnen.

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Geradezu paradox erscheint am heutigen Tag, dass die vermutlich russisch-orthodoxen Christen zu einer völlig unchristlichen Zeit ihre Motorscheren anwerfen wogegen die Zeugen Jehovas „erst“ um 10:00 Uhr an unserer Tür klingeln. Meine Frau reagiert geradezu unfreundlich. Bekehrung dürfte schwierig sein – bei einer Familie in der die Frau ihr Leben lang ohne Religiösität auskam und in der der Mann sich in seiner Gemeinde gut aufgehoben fühlt – am Samstag um 10:00 Uhr ist es aber tatsächlich unmöglich.

Den Tag haben wir uns aber insgesamt trotzdem nicht vermiesen lassen. Ich habe neue Brillen geordert (Sonnenbrille fürs Radfahren und eine schlichte fürs Autofahren), wir haben Hamburger gegessen und reichlich Zeit für den Kleinen gehabt und gleich kommen noch die Grosseltern zu Besuch. Allerdings bin ich dann doch bei den Nachrichten eingeschlafen.

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