Mitschuld als Konsument

Auf meiner Dienstreise, von der ich gerade zurück bin, hatte ich etwas Zeit mal einiges zu lesen, das sonst immer liegen geblieben ist. Dabei stieß ich auf diesen Artikel über Jack Wolfskin. Zugegeben bin ich ein Fan dieser zumeist etwas hochpreisigen Tatzenware. Über meine persönlichen Konsequenzen in der Richtung muss ich allerdings mal nachdenken.

Bei der Gelegenheit fand ich auch gleich noch einen Artikel, der Apple in ein schlechtes Licht rückt. Und das, nachdem wir uns für einen Einsatz des iPad bei uns auf Arbeit entschieden hatten.

Jetzt muss ich mal in mich gehen und zusehen, wie ich meiner Verantwortung als Konsument gerecht werden kann.

4 Gedanken zu „Mitschuld als Konsument“

  1. Das war doch jetzt aber nicht neu für dich, oder?
    Das Problem ist halt, daß es bei Textilien zwar inzwischen Hersteller gibt, die einigermaßen umwelt- und sozialverträglich produzieren, die Erzeugnisse aber zu großen Teil für unser Empfinden unerschwinglich sind.
    Und Elektroware ist durch die Bank böse. Da sind mir keine löblichen Ausnahmen bekannt, allenfalls welche, die NOCH böser sind als andere. Ob Du nun also apple oder asus oder acer kaufst, dürfte letztlich Jacke wie Hose sein. Die einzig bessere Handlung wäre, auf Elektro-Geräte soweit möglich zu verzichten, auf jeden Fall ihren wirklichen Nutzen ernsthaft zu hinterfragen. Niemand kann im Ernst behaupten, er „bräuchte“ ein iPad, ein iPhone oder einen iPod. Das sind und bleiben reine Luxusspielzeuge. Für das Vergnügen, mit ihnen spielen zu dürfen, leben Leute auf der andern Seite der Welt unter echt beschissenen Bedingungen. Die Frage, ob es das wert ist, stellt sich da eigentlich gar nicht. Eher, ob es einen Ausweg gibt oder wo der anfangen könnte.

  2. Was Du hier für Elektrogeräte beschreibst gilt im Grunde für alles in unserem Leben. Alles, was wir besitzen oder konsumieren hat kosten, die in der Regel durch den reinen finanziellen Gegenwert nicht zu beschreiben sind. Mit fast allem hier, mache ich anderswo etwas kaputt. Ich kann ja nicht einmal einen Liter Milch kaufen, ohne ein paar Kilometer entfernt einem Milchbauern sein Leben zur Hölle zu machen, weil ich damit ein System unterstütze, das ihn schlicht ruiniert. Und es gibt natürlich noch die andere Seite. Allein bei mir. Alles was ich besitze, nimmt mir dafür auch etwas. Und das fängt beim Geld an, geht über den Platz, den es weg nimmt – physisch und psychisch – bis hin zu den Dingen, zu denen es mich animiert, anstatt etwas wirklich wichtiges zu tun. Genau dieses Thema versuche ich ja immer wieder in der Kategorie bzw. dem Tag „Entrümpeln“ anzugehen. Wo können wir mehr durch weniger erreichen?

    Auf der anderen Seite kann Besitz auch Dinge ermöglichen und ist nicht jede Entwicklung schlecht. Mobiles Internet kann richtig eingesetzt, z.B. ein Lernen ermöglichen, dass wieder dort stattfindet, wie die zu lernenden Dinge sind, kann uns unabhängig von Ort und Zeit machen. Dafür muss selbstverständlich kein „i“ vor den Produktnamen stehen. Aber ich bin strikt gegen den Aufruf „zurück in die Steinzeit“.

    Was allerdings sind wir mehr und mehr gefordert, uns Gedanken darum zu machen, was wir wirklich brauchen, welche Alternative nicht nur nach Preis und Leistung die beste ist und worauf wir verzichten sollten – evtl. auch obwohl wir es brauchen.

  3. Zurück in die Steinzeit möchte natürlich niemand. Und ohne Internet, und das vorzugsweise auch mobil, wäre unser Leben sicher auch deutlich – anders. Denke ich einmal ein Ideechen weiter als 10 Jahre zurück. Da nutzte ich das Internet gelegentlich (alle paar Wochen mal), ein Mobiltelefon hatte ich noch gar nicht, meine Knipsen waren analog und meine Bilder habe ich als Dias oder auf Papier betrachtet.
    Obwohl ich mir das heute gar nicht mehr vorstellen kann, ließen sich Tage überleben, die nicht mit einem Checken der Mailbox begannen, endeten und zwischendrin dem üblichen Gesurfe gefüllt waren. Allerdings fehlte dem Leben natürlich einiges. Ich war nicht so mittendrin, nicht so dabei, nicht so on, wenn auch besser informiert, weil ich die Inhalte gewisser Papiermedien irgendwie anders und thematisch weniger eingeengt aufnahm. Die besseren oder mehr Informationen machten mich aber auch deprimierter, weil schon damals alles eigentlich nur furchtbar war und ich das immer lesen mußte. Krieg im ehemaligen Jugoslawien, in Ruanda, in Israel, im Iraq, fiese Gemetzel überall, Unterdrückung freier Meinungsäußerungen, Bespitzelung – all das. War da auch. Technisch noch etwas weniger ausgefeilt, aber von der Intention her identisch. Und Arbeitsplätze in Billiglohnländern sind natürlich keine Erfindung der Firma mit dem i. Nicht einmal eine Erfindung der Computerindustrie. Das ist alles ja schon etwas länger etabliert und nicht wegzudenkender Bestandteil unserer Weltordnung.
    Aber trotzdem habe ich jeden Tag neu die Möglichkeit mich für ein „Kopf in den Sand stecken und dumpf mitmachen“ zu entscheiden. Oder diese Entscheidung auf die eine oder andere Weise zu verweigern.
    Ich muß nicht jeden neuen Hype mitmachen und ich kann mir einfach hin und wieder bewußt machen, wie sich mein Tun und – womöglich noch öfter: mein Lassen auswirkt. Da verliert so ein iPad für mich plötzlich jeglichen Reiz.
    Meine Tochter erlebte den Run auf die ersten iPads gerade in Frankreich. Da übernachteten die Leute vor dem lokalen Geizmarkt, um eins der ersten Geräte zu ergattern. Sie stellte fest, daß die da alle gar kein Ratsch-Pätt brauchen, sondern nur geil drauf sind sagen zu können, daß sie eins haben.
    Dabei sein ist alles.
    Man müßte das vielleicht mal neu definieren bzw nicht den Marketing-Abteilungen allein die Definition überlassen, was dabeisein eigentlich heißt.

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