Warum ich auch heute noch immer kein Doktor bin

Ich muss zunächst ein paar Dinge klarstellen: Erstens möchte ich hier niemanden anschwärzen oder in die Pfanne hauen. Die Nebenrollen in meiner eigenen kleinen Tragödie haben entweder nur genau das gemacht, wofür sie bezahlt wurden oder eben kleine Fehler, die einfach mal passieren können. Zweitens möchte ich hier nicht rum heulen, obwohl es schwer ist die Geschichte in Gänze einfach mal nur sportlich zu sehen. Auf der anderen Seite bin ich es gewohnt, dass – sagen wir – nicht immer alles glatt läuft und es hat mich noch nicht davon abgehalten am Ende doch ans Ziel zu kommen.

Die Vorgeschichte: Am 9. Februar 2010 habe ich, wie hier berichtet meine wissenschaftliche Aussprache gehabt. Formal letzter Schritt ist danach nur noch die Veröffentlichung der Arbeit und die Aushändigung der endgültigen Urkunde. Von einem Gutachter hatte ich noch ein paar Hinweise bekommen in Bezug auf die Notation bestimmter Sachverhalte in meiner Arbeit und es waren natürlich wie immer noch ein paar sprachliche Dinge zu verbessern.

Meine Frau machte sich also ran, und arbeitete die ganze Arbeit noch mal sprachlich durch. Ich berichtigte die noch gefundenen Kleinigkeiten. Inhaltlich hat sich praktisch nichts verändert. Aber solche Kleinigkeiten kosten kräftig Zeit. Da ich in meiner Elternzeit vor allem im Bett gelegen und gehustet habe, kam ich erst danach so richtig weiter.

Vorgestern habe ich mir dann einen Tag frei genommen und die Arbeit komplett zu Ende korrigiert. Man, was schwirrte mir der Kopf danach.

Nun zum Plan: Plan war, am Donnerstag die Arbeit in den Copyshop zu geben, um dort noch mal die geforderten Papierexemplare für die Unibilbiothek zu drucken – schön mit Prägung und edel. Freitag sollte dann die Abgabe von CD-ROM und Druck, sowie der üblichen Formulare etc. folgen. Danach kann man eigentlich mit der Quittung von der Bibliothek die Urkunde in der Falkultät abholen gehen.

Es kam natürlich etwas anders.

Bei der Abgabe im Copyshop teilte man mir mit, dass das Prägen des Titels nicht nur erheblich kostet, sondern auch ca. drei Werktage dauern würde. Ferner sei die Arbeit zu dünn, um den Buchrücken bedrucken zu können. Spontan entschloss ich mich auf jede Art von Prägung zu verzichten und setzte die gewünschte Fertigstellung auf Freitag 9.00 Uhr an.

Verschiedene Faktoren beim Abgeben der Kinder in der Kita sowie Umstände auf dem Weg zurück nach Hause und mit dem Fahrrad zum Ernst-Reuter-Platz sorgten dafür, dass ich erst gegen 10.00 Uhr am Copyshop war. Nicht schlimm. Die Unibiliothek nimmt Dissertationen ja bis 12.00 Uhr an.

Die weiteren Formulare hatte ich im Büro geparkt. Ich holte dort also alles ab und fuhr runter zur Unibiliothek. Nach etwas Wartezeit dort – man muss in den Arbeitsbereich dort hin begleitet werden – wurde ich an den Platz geführt. Dort wurden dann alle Unterlagen, die gedruckten Exemplare etc. entgegengenommen und geprüft. Dann kam die CD-ROM mit dem PDF dran. Die Druckversion hatte ich wie auch die Online-Version jeweils mit PDF-LaTeX erstellt und einmal mit und einmal ohne Hyperref-Paket übersetzt. Ergebnis sind zwei Versionen. Eine mit sichtbaren Links, die andere ohne. Ansonsten sind die PDFs identisch.

So die Theorie…

Nach eingehender Prüfung teilte mir die Bibliotheksmitarbeiterin mit, dass Druck- und Onlineversion nicht identisch sein. Und tatsächlich war ein Bild in der Onlineversion anders umgebrochen worden, was dazu führte, dass einige Seiten verschobene Absätze hatten. Zwar gilt die Onlineversion meiner Arbeit als die offizielle Quelle. Aus formal-rechtlichen Gründen muss diese aber mit der Papierversion identisch sein, da diese zum Nachweis hinterlegt wird und keine SHA-256 Checksumme oder etwas ähnlich sinnvolles.

Man schickte mich also unverrichteter Dinge zurück.

Ok. Nun war guter Rat teuer. LaTeX davon zu überzeugen, in der Onlineversion wirklich keinen Umbruch anders zu machen, als in der Papierversion könnte mich die nächsten paar Wochen meiner Freizeit kosten.

Ich traf also eine radikale Entscheidung: Ich fuhr mit dem Rad zurück zum Büro, kopierte das PDF vom Copyshop (die Version ohne Hyperlinks) auf eine frische CD, klierte dort mit Filzstift die nötigen Angaben drauf und fuhr zurück zur Bibliothek.

Um 11.15 Uhr war ich wieder beim Pförtner. Eine gefühlte Ewigkeit später hatte ich eine Quittung in der Hand, die mir bestätigte, meine Dissertation nun veröffentlicht zu haben.

Ich fuhr gleich weiter zum Fakultätssekretariat. Dort teilte mir dann eine Zimmernachbarin mit, dass die Sekretärin gerade auf einer Fortbildung sei, ich aber gute Chancen hätte, sie im laufe des Tages noch mal anzutreffen. Ich hinterlegte meine Quittung bei der Zimmernachbarin und trug mir einen Termin im Kalender ein.

Um etwa diesem Termin gegen 14.00 Uhr erreichte mich eine E-Mail aus dem Sekretariat. Ich müsste noch mal ein unterschriebenes Abstract meiner Arbeit vorbei bringen. Also besorgte ich mir schnell mal meinen Erstgutachter und brachte ihm ein Abstract zur Unterzeichnung vorbei.

Wieder auf dem Fahrrad zurück zum Fakultätssekretariat. Dort das Abstract abgeworfen. Und da bekam ich sie… meine Urkunde. Auf festem gestrichenem Papier, mit Prägung, Stempel, vielen Unterschriften. So, wie so eine Urkunde aussehen sollte.

Leider…

Der Titel meiner Arbeit war falsch geschrieben. Statt „Umfassendes Autorisierungsmanagement“ stand auf der Urkunde „Umfassendes Automatisierungsmanagement“. Damit bedankte ich mich für die Mühe bis dahin und gab das gute Stück wieder zurück.

Nun warte ich auf die korrigierte Version und habe immerhin noch mal die Chance etwas dazu zu schreiben.

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