{"id":2476,"date":"2011-02-27T23:54:45","date_gmt":"2011-02-27T22:54:45","guid":{"rendered":"https:\/\/weblog.hildania.de\/2011\/02\/27\/mein-senf-zu-zu-guttenberg\/"},"modified":"2011-02-27T23:54:45","modified_gmt":"2011-02-27T22:54:45","slug":"mein-senf-zu-zu-guttenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.hildania.de\/index.php\/2011\/02\/27\/mein-senf-zu-zu-guttenberg\/","title":{"rendered":"Mein Senf zu zu Guttenberg"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/weblog.hildania.de\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Bildschirmfoto-2011-02-27-um-23.49.54.jpg\" alt=\"Bildschirmfoto 2011-02-27 um 23.49.54.png\" width=\"640\" height=\"128\" \/><\/div>\n<p>Je schwerer die Vorw\u00fcrfe sind, die gegen Personen erhoben werden, desto vorsichtiger werde ich mit vorschnellen \u00c4u\u00dferungen. Nun ist jedoch auch f\u00fcr mich die Zeit gekommen, um an <a href=\"http:\/\/www.schockwellenreiter.de\/2006\/01\/21.html\">die Klowand des Internets<\/a> zu schreiben. Bezug nehme ich dabei auf den <a href=\"http:\/\/sysadm.in\/blog\/archives\/2011\/02\/#e2011-02-22T00_41_41.txt\">offenen Brief<\/a>, den mein Freund Olli vor einigen Tagen auf sein Blog gestellt hat.<\/p>\n<p>In diesem Brief finde ich mich selbst wieder und sehe mich daher gezwungen, einige Aussagen darin zu kommentieren. Zum einen w\u00fcrde auch ich mir erst ein Wochenende Zeit nehmen, bevor ich zu vermeintlichen Fehlern in meiner Dissertationsschrift Stellung beziehe. Tats\u00e4chlich kenne auch ich sie nicht wirklich auswendig, habe ich doch unz\u00e4hlige Versionen und Korrekturen dazu gesehen. Und dann ist so eine Arbeit nat\u00fcrlich zum einen sehr umfangreich und zum anderen auch voll von hoch komprimierten fachlichen Aussagen und Bez\u00fcgen. Es ist also durchaus legitim, seine eigene Arbeit noch mal hervorzuholen, bevor man sich dazu \u00e4u\u00dfert. Fehler gibt es bestimmt auch in meiner Arbeit. Diese beziehen sich aber gewiss nicht auf falsche Zitate oder entscheidende Kernaussagen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gerade weil auch ich viele Jahre neben meinem Beruf und als junger Vater an dieser Arbeit gesessen habe, betrafen meine K\u00fcrzungen am Ende vor allem die Quantit\u00e4t der Arbeit, nicht aber die Qualit\u00e4t und insbesondere die wissenschaftlichen Ma\u00dfst\u00e4be. Wer m\u00f6chte schon nach Jahren der Entbehrungen und der Schufterei, der nicht verbrachten Zeit mit den Freunden und vor allem mit den Kindern, die man nie zur\u00fcck bekommt vor einem Scherbenhaufen stehen? Ich kann nach bestem Wissen und Gewissen sagen, dass ich wissenschaftlich korrekt gehandelt habe. Das behauptet jedoch Herr zu Guttenberg auch.<\/p>\n<p>Jeder Akademiker hat die Pflicht, dem wissenschaftlichem Codex widersprechendes Handeln nicht zuzulassen. Das betrifft mich, wenn ich Arbeiten lese, begutachte oder Inhalte nachvollziehe und dabei auf Unstimmigkeiten treffe, die sich gemeinsam mit den Autoren der Arbeit nicht ausr\u00e4umen lassen. Die Universit\u00e4t hat mit der Aberkennung des Doktorgrades von Herrn zu Guttenberg ihre verdammte Pflicht getan. Frau Dr. Merkel merkt dazu in einem Interview an, die Universit\u00e4t sei den Empfehlungen von Herrn zu Guttenberg gefolgt. Das ist falsch! Ich als Doktorand bekomme den Grad von der Universit\u00e4t verliehen und diese hat auch das Recht, mir diesen wieder zu entziehen. Es steht mir nicht zu, ihr hierzu Empfehlungen zu erteilen. Die blo\u00dfe Aberkennung des Grades reicht mir pers\u00f6nlich jedoch nicht. Herr zu Guttenberg hat etwa vier Jahre diesen Dr.-Grad unrechtm\u00e4\u00dfig gef\u00fchrt. Wenigstens symbolisch sollte daf\u00fcr eine weitere Strafe folgen!<\/p>\n<p>Was hat nun <a href=\"http:\/\/www.schockwellenreiter.de\/blog\/2011\/02\/26\/oliver-lepsius-guttenberg-ist-ein-betruger\/\">diese Aff\u00e4re<\/a> mit dem Job als Minister zu tun? Herr zu Guttenberg erkl\u00e4rt die gravierenden Fehler in seiner Arbeit mit einer \u00dcberforderung, die ihm bis zum Ende nicht bewusst geworden ist. Ist eine solche Fehleinsch\u00e4tzung oder mangelnde Sorgfalt oder Fehleinsch\u00e4tzung f\u00fcr einen Minister irrelevant? Ich pers\u00f6nlich bekomme Angst, wenn einer der m\u00e4chtigsten Entscheidungstr\u00e4ger meines Landes gravierende Fehler auf Grund von Fehleinsch\u00e4tzungen macht und es auch im Nachgang erst merkt, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Aber vielleicht ist Herr zu Guttenberg als Minister ja ganz anders.<\/p>\n<p>Das sich Herr zu Guttenberg in Bezug auf seine Arbeit mit allen Mitteln verteidigt, ist f\u00fcr mich verst\u00e4ndlich. Wenig, um nicht zu sagen gar kein Verst\u00e4ndnis habe ich dagegen f\u00fcr die Aussagen von Frau Dr. Merkel. Sie suggeriert, dass wissenschaftliche Ausbildung allein zum Selbstzweck stattfindet. Die gesamte Diskussion entfernt Akademiker und Nichtakademiker mehr und mehr voneinander. Zum Schutz von Herrn zu Guttenberg werden hier Vorurteile genutzt und die wissenschaftliche Gemeinschaft als Randgruppe behandelt. Mit wissenschaftlichen Assistenten gewinnt oder verliert man keine Wahlen. Die Beliebtheit von Herrn zu Guttenberg leider darunter nicht. Es werden gar Vergleiche mit abgeschriebenen Klassenarbeiten herangezogen. Von der Bedeutung der Note einer Klassenarbeit im Vergleich zu einer Promotionsarbeit mal ganz abgesehen, wird hier auch der Sachverhalt komplett verachtet, dass hier Werke kopiert wurden, die von Autoren erstellt wurden, die vom Schreiben leben und deren Arbeit ebenso respektiert geh\u00f6rt wie die Arbeit von Handwerkern oder Dienstleistern, Verk\u00e4ufern oder Politikern. Die Entgleisungen des Herrn zu Guttenberg und der Umgang in den Medien damit hat zur Folge, dass ich regelm\u00e4\u00dfig die scherzhafte Frage beantworten muss, wo ich denn abgeschrieben h\u00e4tte. Man scheint zu wissen: \u201eDoktor? Die schreiben doch alle nur irgendwo ab.\u201c<\/p>\n<p>Insofern war ich sehr froh den <a href=\"http:\/\/offenerbrief.posterous.com\/causa-guttenberg-offener-brief-von-doktorande\">offenen Brief an Frau Bundeskanzlerin Merkel<\/a> bereits fertig formuliert im Netz zu finden, den ich guten Gewissens unterzeichnet habe. Auf Facebook lese ich zu dieser Debatte dann Kommentare, wie: Wir haben andere Probleme in Deutschland, als eine Promotionsarbeit. Dem stimme ich zu! Aus diesem Grund sollte hier schnell f\u00fcr Gerechtigkeit und Klarheit gesorgt werden, z.B. mit einem R\u00fccktritt von Minister zu Guttenberg und einer Entschuldigung von Frau Dr. Merkel.<\/p>\n<p>Das Land der Dichter und Denker hat nicht viel mehr zu bieten, als genau das. Nachdem den Universit\u00e4ten bereits seit Jahren mit schwindendem Budget suggeriert wurde, dass auf hohe Bildung kein Wert mehr gelegt wird, kommt die Abwertung nun auch <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/studium\/hochschule\/2011-02\/kommentar-guttenberg-plagiat\">im medialen Umgang<\/a> an. Wozu bitte sollte man als junger Mensch noch eine akademische Laufbahn einschlagen, auf die Parties verzichten und sich daf\u00fcr offensichtlich nutzloses Wissen reintun? Daf\u00fcr am Ende weniger zu Verdienen, als die Schulkameraden, die den \u201eQuatsch\u201c einfach \u00fcbersprungen haben und gleich \u201ewas vern\u00fcnftiges\u201c gearbeitet haben oder f\u00fcr die fehlende Anerkennung und den Spott der \u201earbeitenden Bev\u00f6lkerung\u201c? Ich muss mich sehr aufregen und das nicht wegen \u201eso einer Promotionsarbeit\u201c!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je schwerer die Vorw\u00fcrfe sind, die gegen Personen erhoben werden, desto vorsichtiger werde ich mit vorschnellen \u00c4u\u00dferungen. Nun ist jedoch auch f\u00fcr mich die Zeit gekommen, um an <a href=\"http:\/\/www.schockwellenreiter.de\/2006\/01\/21.html\">die Klowand des Internets<\/a> zu schreiben. 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