{"id":1668,"date":"2009-02-11T22:25:27","date_gmt":"2009-02-11T21:25:27","guid":{"rendered":"https:\/\/weblog.hildania.de\/2009\/02\/11\/915-uhr-s1-oranienburger-strasse-richtung-wannsee\/"},"modified":"2009-02-11T22:25:27","modified_gmt":"2009-02-11T21:25:27","slug":"915-uhr-s1-oranienburger-strasse-richtung-wannsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.hildania.de\/index.php\/2009\/02\/11\/915-uhr-s1-oranienburger-strasse-richtung-wannsee\/","title":{"rendered":"9:15 Uhr, S1 Oranienburger Strasse Richtung Wannsee"},"content":{"rendered":"<p>9:15 Uhr, S-Bahnlienie S1 in Richtung Wannsee, der Zug f\u00e4hrt gleich in den Bahnhof Oranienburger Stra\u00dfe ein. Ich stehe zusammen mit etwa sieben anderen Personen im Bereich vor den T\u00fcren. Die Aussicht auf einen Sitzplatz ist um diese Zeit aussichtslos. Mir schr\u00e4g gegen\u00fcber steht ein junger Mann, den ich auf ca. 25 Jahre sch\u00e4tze und h\u00f6rt wie ich Musik \u00fcber Kopfh\u00f6rer. Er ist f\u00fcr sein Gewicht etwas zu kurz geraten (so wie ich) und passend zum Wetter warm angezogen. Ohne Vorwarnung f\u00e4llt er mit einem lauten Poltern in sich zusammen.<br \/>\n<!--more-->Mit verdrehten Augen liegt er halb auf dem Boden halb gegen die S-Bahnt\u00fcr gefaltet. Die vier ihm am n\u00e4chsten stehenden M\u00e4nner st\u00fcrzen sofort auf ihn, sprechen ihn an, versuchen seinen Oberk\u00f6rper aufzurichten, ihn in eine &#8222;bequemere&#8220; Haltung zu bringen, t\u00e4tscheln seine Wangen.<\/p>\n<p>Der Zug h\u00e4lt. Ich erw\u00e4ge, die Notbremse zu ziehen. Aber wir halten unmittelbar vor dem Zugabfertiger. Dieser blickt in die sich jetzt \u00f6ffnende T\u00fcr. Der Mann f\u00e4llt mit dem Oberk\u00f6rper aus dem Zug, wird aber von ein oder zwei Mitfahrern gehalten. Pl\u00f6tzlich schnellt er nach oben, richtet sich komplett auf, stellt sich auf die Beine und entleert innerhalb von drei oder vier Sekunden seinen gesamten Mageninhalt in den T\u00fcrbereich. Er springt aus den sich schlie\u00dfenden T\u00fcren.<\/p>\n<p>Ich bin verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p>Offensichtlich hat das Bahnhofspersonal die Szene \u00fcberhaupt nicht irritiert. Nur, weil einer direkt vor den F\u00fc\u00dfen des Abfertigers aus dem Zug kippt, ist das noch lange kein Grund nicht &#8222;Zur\u00fcckbleiben!&#8220; zu rufen und den Zug das Abfahrtsignal zu geben. Und was ist dem Mann da widerfahren? Tut er das richtige und l\u00e4sst erst einmal checken, was da passiert ist? Oder war der Blackout konsequent genug, um ihm sogar die Erinnerung daran so weit zu vernebeln, dass er keine Ahnung von einem Problem hat. Und wie mag das wohl sein, auf dem Weg zur Arbeit, einem Mitfahrer erste Hilfe zu leisten und dann mit vollgekotzten Klamotten im B\u00fcro zu sitzen?<\/p>\n<p>Noch immer verbl\u00fcfft und mit vielen Fragen steige ich gedankenversunken Friedrichstra\u00dfe aus. Ich bin einen Ausgang weiter gegangen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vier ihm am n\u00e4chsten stehenden M\u00e4nner st\u00fcrzen sofort auf ihn, sprechen ihn an, versuchen seinen Oberk\u00f6rper aufzurichten, ihn in eine &#8222;bequemere&#8220; Haltung zu bringen, t\u00e4tscheln seine Wangen.  &#8230;  Pl\u00f6tzlich schnellt er nach oben, richtet sich komplett auf, stellt sich auf die Beine und entleert innerhalb von drei oder vier Sekunden seinen gesamten Mageninhalt in den T\u00fcrbereich. &#8230;  Oder war der Blackout konsequent genug, um ihm sogar die Erinnerung daran so weit zu vernebeln, dass er keine Ahnung von einem Problem hat.   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