Ist Informatik cool?

Zu lange ist mein Studium jetzt schon her, dass ich mir in letzter Zeit darüber Gedanken gemacht hätte. Über zu wenig gut Diplomanden hatte ich mich schon das eine oder andere Mal aufgeregt. Aber das Fachkräftemangel natürlich auch und vor allem auch Informatiker betrifft, war mir nur implizit klar.

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Ich weiß auch nicht, inwiefern das an meiner Wahrnehmung liegt/lag. Als ich anfing Informatik zu studieren, war das total cool. Und ich schreibe gerne und auch mit Stolz auf öffentliche Dokumente „Dipl.-Inform. Thomas Hildmann“. Aber selbst Gespräche mit Nachbarn oder anderen flüchtigen Bekannten zeigen deutlich: Ein Informatiker ist da draußen nix mit gesellschaftlicher Stellung.

Da passiert es gerne mal, dass Dialoge so aussehen:

– Und, was machen Sie so Herr Hildmann?

– Ich bin Informatiker und arbeite im Rechenzentrum der TU Berlin im Bereich Nutzerdienste und bin da für die Sicherheitsinfrastruktur verantwortlich.

– Ah. Da verdient man aber auch nicht so viel. Nicht?

Eigentlich wollen die Leute dann hören: „Doch total viel.“ Weil sie sich eigentlich keinen anderen Grund vorstellen können, warum man gerade „I n f o r m a t i k e r“ werden sollte. Ich mache das, weil ich einen spannenden Job mit großartigen Kolleginnen und Kollegen habe. Ich habe Gelegenheit sowohl wissenschaftlich, als auch mit Kundenkontakt zu arbeiten und wir machen hier tatsächlich heiße Scheiße für die Zukunft. Zwar wird das Zeug wohl in ein paar Jahren jeder irgendwie benutzen und auch irgendwie gut finden (oder auch nicht). Aber das da Leute dran gesessen haben, die das gebaut haben und das cooles Zeug von coolen Leuten gebaut wird, das sieht dann keiner mehr.

Wie kam ich darauf?

6 Gedanken zu „Ist Informatik cool?“

  1. Hm, ich finde meinen Bachelor-Titel (und in Kürze dann wohl auch den Master of Disaster) jetzt nicht sooo prickelnd, ich weiß auch nicht, irgendwie schwellt mir da nicht vor Stolz die Brust ;-) Aber ich würde auch einen Doktortitel (den ich nicht anstrebe) nicht unbedingt auf meine Visitenkarten drucken.

    Mir ist es viel lieber, wenn ich mich durch gute Arbeit und den Erfolg beweisen kann als über einen akademischen Grad oder Titel… Aber Kleider machen ja bekanntlich Leute, so ereignete sich folgender Wortwechsel während einer Wohnungsbesichtigung im letzten Jahr:

    „Was machen Sie denn beruflich?“ — „Ich bin Wirtschaftsinformatiker.“ — „Hm…“ — „Ich entwickle Software. Ich bin Softwareingenieur.“ — „Ah, ein Ingenieur! Und wo?“ — „Bei $autokonzern.“ — „Ach, beim D…! Sagen Sie das doch gleich! Wann wollen Sie einziehen? Morgen?“

    Daher je nach Gegenüber: „Ich arbeite mit Computern“, „Ich entwickle Software“, „[…] $buzzwordBingo […]“ ;-)

    Für mich wahr schon früh klar, dass ich „irgendwas mit Computern“ machen musste. Als Physiker, Biologe oder Maschinenbauer kann ich mich mir selbst so überhaupt nicht vorstellen, dafür gibt es andere gute Leute, denen das viel besser liegt! Kundenkontakt, interessante Projekte, Spaß an der Arbeit — das macht es aus. In vier Wochen geht’s endlich auf ins Berufsleben. Und ich freue mich darauf! ;-)

  2. Ich würd Coolness ja nicht daran festmachen, wie unproblematisch man eine Mietwohnung bekommt. Sonst wären Beamte und Bausparer ja die Leitbilder in Sachen Coolness ;-)

    Zudem: Informatik muss cool sein, schließlich studiere ich das auch :-D

  3. Ja, so unterschiedlich sind die Ansichten. Vielleicht ist Bausparen ja auch cool. Vielleicht sind Titel ja cool. Wer weiß das schon. Auf jeden Fall werde ich nie so cool sein, wie die Typen, die mit mir U-Bahn fahren. Wobei… heute tun sie das auch nicht. Cool! :-)

  4. Sind die Typen, die mit Dir U-Bahn fahren, cool, WEIL sie mit Dir U-Bahn fahren? „Was, Du bist mit dem hildi U-Bahn gefahren?!? Mit DEM hildi??? COOOOL!!!“

    Oder haben die einfach nur nen iPod dabei? Ich glaub, mittlerweile ist es cooler, KEINEN iPod zu besitzen ;-)

  5. Stimmt. Trotzdem wünsche ich mir jetzt einen. Dabei war ich so lange standhaft. Aber noch habe ich ja keinen. Also bin ich noch cool ;-)

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