Heute hat Radfahren keinen Spass gemacht!

Viel zu spät habe ich heute meine 1000 Sachen für die Fahrt zur Arbeit zusammen und hetze los. Draußen erwartet mich kühler, stetiger Regen. Nach etwa 20 Minuten Fahrt, die sich heute so anfühlt, als würde ich unter Wasser voran kommen müssen, hat meine Jeans keine dunklen Flecken mehr. Sie ist komplett mit Wasser getränkt. Wenig später wird die Regenjacke durchlässig. Nach weiteren 10 Minuten sind die Schuhe komplett mit Wasser gefüllt.

verregnete-strasse.jpg

Gewürzt wird so eine Radfahrt dann gerne durch Geschehnisse auf der Strasse. Zu nennen sei da die Walkerin, die unvermittelt ihre Stöcker in der Pfütze auf dem Radweg waschen muss und dabei so konzentriert ist, dass sie gar nicht bemerkt, dass es gerade mal ein halber Meter war, der uns von einer Kollision trennte. Vermutlich wäre ich nur über ihre Stöcker gefahren, hätte mich überschlagen etc. Ihr wäre dabei sowieso sicher nichts passiert. Ich sei denn ich hätte versucht auszuweichen.

Der nächste Kollege, der mir richtig Spaß bereitete war der Autofahrer, der sich so sehr darauf konzentrieren musste, beim auf die Strasse springen die Zeitung über dem Kopf zu halten, dass er mir direkt vor der Nase die Tür öffnet. Die zentimeterhoch stehende Wasserschicht in der Spurrinne lässt spontan vermuten, dass ein Bremsen nicht mehr möglich ist. Also fliegt mein Blick über die linke Schulter und ich entscheide reflexartig der auffliegenden Autotür nach links über die Rinnen auszuweichen. Ein durchaus riskantes Unterfangen, da die Fahrbahn sehr schmierig ist und das Rad bei schnellen Lenkbewegungen spätestens auf den Fahrbahnmarkierungen praktisch keinen Halt mehr zu haben scheint.

Gegipfelt wird diese Aktion dann nur noch von dem Hund, der mir in den Rehbergen auf den Radweg springt. Warum, das weiß keiner. Es gibt hier zwei breite Wege durch den Park. Einer für Radfahrer, der andere für Fußgänger und Hunde. Dazwischen ist ein kniehoher Balken angebracht. Mit einem Satz ist der Hund auf meinem Weg. Das Geräusch meiner Bremsen auf den Felgen klingt eher nach Sandpapier auf Buddelkasten, als nach anständigem Bremsen. Denn der Weg ist natürlich eine einzige Schlammwüste. Es ist schon schwer genug, hier gerade zu fahren. So hilft aber nur die Tatsache, dass der Weg breit ist und dann sachte in Gestrüpp übergeht. Ich nutze diese Tatsache, um meinen Bremsweg verlängern zu können und lenke also gezielt in den Graben.

Fahrräder ohne Schutzblech sind nicht nur für die im Regen schlecht, die dann so einen Schlammstreifen auf dem Rücken haben, sondern auch total bekloppt für nachfolgende Fahrräder. Auf einem sehr schmalem Fahrradweg, der natürlich komplett mit einer Wasserschicht überzogen ist, überholt mich ein Vollwichser mit seinem super minimalistischem Rad an einer roten Ampel. Typische Situation: Ampel rot, Thomas hält, Wichser fährt weiter. Ampel grün und Thomas hat nach 20 Metern diesen Wichser vor sich, der es schafft sich bei unter Schrittgeschwindigkeit taumelnd auf dem Rad zu halten. Dabei zieht er jedoch 2 Meter Wasserfontäne hinter sich her. Auf den Fußweg gelange ich natürlich nur über eine hohe Schwelle. Dann den Berg hoch beschleunigen und vor dem Wichser zurück auf den Radweg. Die Beine sind nass, schwer und eiskalt.

Ich komme 15 Minuten zu spät auf Arbeit an. Der Kollege, mit dem ich verabredet war, hatte schon nach mir gefragt. Ich bin durchgeschwitzt, klitschnass, völlig fertig und habe eine Stinkwut in mir. So stelle ich mir meinen Arbeitsweg definitiv nicht vor!

2 Gedanken zu „Heute hat Radfahren keinen Spass gemacht!“

  1. … es werden Erinnerungen wach. Obwohl es sicherlich nur wenige Prozent der Bevölkerung sind (ich meine die Vollidioten) ergibt sich aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte ein häufiges Aufeinandertreffen. Wenn man in einer guten halben Stunde auf 4 dieser schwer zu ertragenden Zeitgenossen stößt, ist das einfach zu viel. Zu viele doofe Menschen.

    Und ich wünsch mir dann immer, nicht in dieser Stadt zu wohnen.

    Besonders am Hackeschen Markt trifft man auf eine Übermacht besonders dämlicher Individuen. Wenns duster ist, gibts dort welche 60er Jahre Riesensonnenbrillen – der Coolness wegen, nicht weils praktisch ist. Stehen mitten auf der Strasse rum und die Strassenbahn kann bimmeln aber es hilft nix.

    Tagsüber hoppeln die wie eingestrullt mit zusammengekniffenen Oberschenkeln der Strassebanhn hinter und schimpfen lauthals, weil die zwischen zwei Haltestellen keinen Sonderstopp mehr eingelegt hat. Aber besser man trägt ne coole Hose 20cm unter der Hüfte, als normal Gehen zu können.

    Strasse überquert man grundsätzlich mit dem Hinterkopf zum heranrollenden Strassenverkehr – was man nicht sieht, muss man nicht beachten. Am besten ignoriert man die Fortschritte der Technologie und der immer besser und immer kleiner werdenden Ohrhörer – besser kauft man sich für 9,90 EUR im Mediamarkt die allergrößten Industrie-Eumel mit dem schlechtesten Frequenzgang, setzt die auf, ist hipp und cool und hört vom Strassenverkehr gar nix mehr. Auch nicht das Hupen und Bimmeln aus Richtung des Hinterkopfs.

    Am schlimmsten sind Sonntags die Trödelmärkte. Voll mit Öko-Traumtänzern, die irre viel Geld für altes Besteck, kaputte Tischlampen und verlauste Filzmäntel ausgeben – ebay-Verweigerer. Die halten den Trödelmarkt für eine politische Veranstaltung, mit der man die Zeit totschlägt, mit der man nichts mehr weiss anzufangen. Die laufen meist statt den Gehweg zu benutzen mitten auf der Strasse herum, weil Sonntag ist und das Wetter so schön ist.

    Ich trau mich nicht zu hupen, weil ich befürchte, mit altesm Besteck, kaputten Tischlampen und verlausten Filzmänteln beworfen zu werfen.

    Ich hasse die Stadt!!!

  2. Mir würde ja das Naßwerden schon reichen für 1 größere Portion schlechte Laune. Neulich, auf dem Weg in mein Bureau, ging der schon ganz schön happige Pladderregen unvermutet in einen Wolkenbruch über, der meine Regenjacke und -hose binnen Sekunden durchdrang. Nicht nur die Schuhe waren dann zum Auswringen, auch Hemd und Hose klitschnaß, so daß ich im Treppenhaus eine Tropfenspur hinter mir her zog. Ich hab mir dann Papierhandücher unter die Manschetten geschoben, Ersatz-Schuhe angezogen und den Tag leise vor mich hin fluchend begonnen.
    Aber das war ohne Hunde und BMW-Fahrer und diese Dinge, mit denen du dein Erlebnis ausschmücken konntest. Außerdem hab ich nur eine knappe Viertelstunde und keine gute halbe.
    Also: mein tiefes Beileid.
    Vielleicht nächstes Mal doch lieber die Bahn nehmen? Solange du dein Kind nicht mitnehmen und in den Kindergarten oder die Schule bringen mußt, bist du doch flexibel, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.