Silvester – Alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit

Niemand könnte sagen, dass wir im Hause Hildmann gestern nicht ordentlich gefeiert hätten. Warum auch nicht? Silvester ist nun einmal traditionsgemäß ein Fest in unseren Kulturkreisen und man soll die Feste ruhig feiern, wie sie fallen. „All Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ — Paracelsus

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Irgendwie ist es nicht nur mit Giften so. Davon ganz abgesehen, war es wieder eines dieser Gifte, auf die heute Nacht ein Grossteil der Probleme zurückgeführt werden konnten: Alkohol. Ein Raucher wollte mit mir im Restaurant vor einigen Wochen eine Diskussion beginnen, indem er argumentierte: „Dann sollen sie auch noch Alkohol in Gaststätten verbieten, weil Besoffene ja wohl auch stören.“ Ich dachte einen kurzen Moment darüber nach und antwortete: „Für mich wäre das ok. Ich kann mein Glas Wein auch zu Hause trinken.“

Aber kommen wir zunächst zu unserer Silvesterfeier und zu dem, wie es in Berlin ausgesehen hat…


Wir wollten dieses Mal zu Hause feiern und hatten uns einige Freunde eingeladen. Zwei der Gäste kümmerten sich zusammen mit Annette um das Essenkochen.

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Ein paar Weinflaschen wurden geöffnet und später gingen auch ein paar kleine Gläser mit anderen Alkoholika weg. Von Trunkenheit waren allerdings alle weit entfernt. Das wäre auch hinderlich gewesen, denn es wurde gespielt.

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Strategiespiele kommen in unserem Freundeskreis immer gut an. Wer nicht spielte, beschäftigte sich auf andere intelligente Weise.

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Grundsätzlich scheint es aber in Berlin nicht so einfach gewesen zu sein, die richtige Alkoholdosierung zu treffen. Bei den fast 1800 Feuerwehreinsätzen in der letzten Nacht war wohl nicht selten Alkohol ein wichtiger Faktor.

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Während bei uns noch bis den den frühen morgen hinein debattiert und gelacht wurde, stieg draussen wohl mit steigenem Alkoholpegel auch die Gewaltbereitschaft. Wie mag sich wohl ein S-Bahnfahrer fühlen, der in einer Silvesternacht gleich zwei Personenunfälle hat, denen er jeweils völlig hilflos gegenüber steht?

Apropos S-Bahn: Taxis gab es gegen 3:00 Uhr einfach nicht in Berlin. Die beiden größten Taxifunkzentralen waren einfach nicht erreichbar. Dauerbesetzt! Daher mussten wir über Nacht dann doch zwei mehr Gäste aufnehmen und reichlich improvisieren. Denn vor der S-Bahn hier gab es zunächst „Rangeleien“ und später größere Polizeieinsätze, die alle nicht dazu einluden, sich dazwischen zu stellen und auf die Bahn zu warten. Um 10:00 Uhr waren unsere Gäste dann mit dem Taxi unterwegs nach Hause.

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Aber nicht nur während der Nacht herrschte hier so etwas, wie ein Kriegszustand, bei dem immer wieder Passanten mit Leuchtkugeln beschossen wurden und bei dem vor allem bis in die frühen Morgenstunden die Knallerei kein Ende nahm. Entsprechend sah es auch morgens dann auf den Strassen aus.

Bei unserer privaten Silvesterparty wurde ein Paket mit Leuchtraketen ausgepackt und draußen gegen 0:xx Uhr gezündet. Das hätte doch gereicht, oder? Warum muss es denn immer von allem zu viel sein?

Ich wünsche mir fürs Jahr 2007, dass es mir und auch meinen Mitmenschen gelingt, das richtige Mass zu finden – die richtige Dosis!

2 Gedanken zu „Silvester – Alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit“

  1. Den vergeblichen Versuch, zu Silvester ein Taxi zu bekommen, kenne ich aus den Jahren zuvor. Vergiß es einfach. ;-)

    Bei uns in der Ecke verlief Silvester recht wild, aber friedlich; hier ist aber auch kein Verkehrsknotenpunkt in der Nähe, an dem sich die Gelegeheitshooligans begegnen können.

    Größtes Ärgernis: Ein ganzer Löschzug, der zu einem Brand auf einem Balkon gerufen wurde, fuhr die Straße rauf und runter, wendete wieder, blieb stehen, fragtePassanten, weil die Feuerwehrfahrer einfach zu blöd sind, Hausnummern zu lesen… :-/ So kam der Löschzug mindestens 5 Min später als nötig am Feuer an.
    …und das ist nicht das erste Mal in unserer Straße.

  2. Hierzu noch eine kleine Anmerkung von mir.

    Ich bin in der Silvesternacht so um ca. 03:00 Uhr herum von hildis Hort aufgebrochen. Am U-Bahnhof gabs zum Auftakt der Reise gleich mal einen kleineren Polizeieinsatz wegen ein paar besoffenen Nazis, die Fahrgäste angepöbelt haben (Glatze, Springerstiefel, weisse Schnürsenkel, eindeutige Jackenaufkleber usw. also es waren definitiv Nazis, will ich damit sagen).

    Im Zug dann lagen ein paar Alkoholleichen herum, die, ihrem Aussehen nach, die Strecke schon ein paarmal gefahren sind. Von einigen (betrunkenen) Leuten abgesehen, die sich partout mit mir über ihre Probleme und ihre (schlechten) Lebensumstände unterhalten wollten, oder von den Leuten, die den mitgebrachten Gettoblaster auf volle Lautstärke betreiben mussten (in jedem Abteil sass mindestens einer mit so einem Ding), haben mich eigentlich nur die Leute wirklich gestört, die offen im Zug ihre Blase entleeren mussten.

    Dass ich dann am Zielort wieder dem beliebten Sport „Wir-schmeissen-Böller-auf-Passanten“ frönen musste, hat mich nach der Fahrt eigentlich auch schon nicht mehr sonderlich gejuckt.

    Silvester in Berlin. Ein echtes Abenteuer. Sehr zu empfehlen.

    MfG

    Klaus

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