Ich will ein besserer Kunde werden

Was zeichnet einen guten Kunden aus? Er kommt ruhig und höflich ins Geschäft und wartet geduldig, bis ein Verkäufer Zeit und Lust hat, sich seiner anzunehmen. Er ist stets unterwürfig und von der Kompetenz des Verkäufers angetan. Er wird natürlich exakt seine Anforderungen fachlich korrekt mitteilen können, jedoch das kaufen, was der Verkäufer gerade da hat und was die beste Gewinnmage hat was der Verkäufer für am besten hält. Dafür bezahlt er dann auch gerne mal ein paar Euro mehr. Selbstverständlich ist er danach mit dem Produkt zufrieden und kommt gerne immer wieder.

Das trifft nicht nur für Gegenstände, sondern auch für Essen und Dienstleistungen zu. Bei Dienstleistungen nimmt man sich gerne auch mal ein paar Tage oder Wochen frei, um vergeblich auf die Handwerker zu warten staunend den Fortschritt der Arbeiten beobachten zu können.

Warum gelingt es mir nicht, ein guter Kunde zu sein?

Annette schleckt gerne mal ein Eis. Natürlich nicht irgendwas von irgendwo, sondern gerne auch das teure Eis vom Eisladen. Der will ja auch unterstützt werden. Wie verwunderlich ist es dann aber, wenn der Typ, der da vorn an der Kasse steht immer noch ein Eis mehr bestellt, die drei Kollegen, die sich gerade die Nägel feilen aber einfach nur abwartend in der Ecke stehen. Klar war mindestens der eine bestimmt für die Gäste an den Tischen zuständig. Aber es hätte bestimmt nicht weh getan, mal an der Theke auszuhelfen. Annette ist ohne Eis gegangen. Das Geld ging an eine große Restaurationskette, die zwar kein so leckeres Eis anbietet, aber zügig bedient.
Eine (für mich) größere Investition steht wieder mal ins Haus. Ich möchte wieder mal Photozeug kaufen. Vorab habe ich mich bei Freunden und Bekannten sowohl über Tests und Vergleiche im Internet und Co informiert und mich auf ein Produkt festgelegt. Drei Klicks und ich hätte das gute Stück im Internet bestellt. Für mich gilt aber die eigene Regel: Bekomme ich das Produkt zu einem ähnlichen Preis bei einem lokalen Händler, so unterstütze ich den. Schließlich möchte ich auch, dass die Arbeitsplätze hier erhalten bleiben und ich möchte gerne jemanden haben, zu dem ich gehen kann, wenn ich Probleme habe oder eine kleine Reperatur oder nur eine Beratung brauche. Ich frage mich aber: Warum finde ich in 2 Minuten 50 Internetanbieter mit Preis und mein Fotofachgeschäft kann mir in zwei Werktagen keinen Preis nennen? Ich gehe nun zu einem anderen Anbieter. Hier in der Stadt. Ich werde mehr Geld bezahlen, als im Internet. Aber ich möchte meiner Idee treu bleiben.

Das waren nur zwei Geschichten aus den letzten drei Tagen. Ich frage mich, warum mir vor allem der Einzelhandel aber auch das Handwerk Steine in den Weg legt, wenn ich versuche, genau diese zu unterstützen. Sicher möchte ich als Kunde oft Dinge, die vielleicht lästig sind, fordere hier mehr, als üblich oder bin kritischer als andere. Aber ich bin sogar bereit, mehr Geld auszugeben, wiederzukommen, weiterzuempfehlen usw. Das Problem ist die Einstellung.

Aus erster Hand haben Annette und ich gehört, wie ein Cafe eine Ex-Kellnerin zu Lehrgängen einläd, um dem neuen Personal beizubringen, wie man mit Kunden umgeht, denn die Kundschaft wandert ab.

Leute, nicht immer ist es der geringere Preis, der vom lokalen Anbieter abwandern läßt. Manchmal ist es einfach auch nur der Service. Und manchmal liegt es einfach auch nur daran, dass man – ich sag jetzt mal ganz zufällig – mehrere Wochen auf eine einfache Objektivtasche warten muss. Vielleicht bestellt sich auch der eine oder andere lieber den Maler aus Polen in seine Wohnung, weil der einfach mal am Samstag kommt oder nach Dienstschluss. Und vielleicht bestellt auch meine Mutter lieber ihren Roman bei Amazon, als im sympatischen Buchladen um die Ecke, weil die nette Verkäuferin dort auf die Frage: „Haben sie den Roman XY da?“, nur „Nein. Haben wir leider nicht da.“, geantwortet hat und nicht z.B. sowas, wie: „Nein, gerade nicht vorrätig. Aber wenn sie ihn haben wollen, bestelle ich ihnen das Buch. Es ist morgen oder übermorgen da und ich rufe Sie dann an.“ Ist ein haufen Arbeit. Klar. Aber wer sich diese nicht macht, halt bald keine mehr. Und das der EUR nicht mehr so locker sitzt ist nicht der einzige Grund!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.