MainStage Setup: Hardware auf der Bühne

Teil 2 von MainStage Setup

Für das Arbeiten an neuen Stücken und für Aufnahmen benutzen wir je nach Anwendungszweck ganz verschiedene Hardware bei DD&D, die sich z.T. über die Jahre angesammelt hat. Bei Auftritten geht es jedoch darum, den Aufwand zu reduzieren, um wenig tragen, aufbauen und entstören zu müssen (siehe hierzu „MainStage Setup: Einleitung“). Im Folgenden beschreibe ich die einzelnen Hardware-Komponenten des Bühnenaufbaus und benenne Alternativen und Überlegungen dazu.

Notebook

Auf der Bühne benutze ich unser „Hausnotebook“, das ich mir mit meiner Frau teile. Insofern habe ich es nicht auf die Anforderungen auf der Bühne ausgelegt sondern als Arbeitstier für alles, was bei uns im Hause anfällt. Es handelt sich um ein MacBook Pro 13″ mit 8 GB RAM und 250GB SSD.

Gerade für die Bühne kommt man mit erheblich weniger RAM aus. Die SSD lohnt sich zum einen, weil Ladezeiten unglaublich gering sind und man auf der Bühne keine Zeit hat. Zum anderen ist so eine SSD sehr viel stoßunanfälliger, als eine Festplatte mit beweglichen Teilen.

Ohne es getestet zu haben, bin ich jedoch sicher, dass ein kleines MacBook Air die geeignete Variante für die Bühne wäre mit seiner serienmäßigen SSD und dem perfekten Gewicht und Maßen. Allerdings finde ich das 13″ Display auf der Bühne durchaus hilfreich, da ich mir hier Texte und Akkorde, sowie andere Notizen zu den Stücken mit einblenden lasse und diese auch unter schlechten Bedingungen noch sehr gut auf der Bühne lesen kann. Wie viel RAM und CPU-Power man am Ende braucht, hängt ganz davon ab, wie viele Aufgaben man dem Notebook überträgt. Ich spiele jeweils drei bis zehn virtuelle Instrumente, die jeweils mit einigen Effekten besetzt sein können oder mit einem typischen virtuellen Gitarrenrack bestehend aus zwei, drei Effektgeräten, einem Vorverstärker, einem Speaker und simulierten Mikrofonen. Für die E-Geige kommt das gleiche Setting zum Einsatz wie für die E-Gitarre. Bei einigen Stücken kommen noch zwei bis drei Playback-Spuren hinzu, die durch synchronisierte WAV-Player abgebildet sind. Einer davon ist dann jeweils der Klick fürs Schlagzeug.

Soundmodul

Audio, MIDI und USB laufen in meinem Setting in einer Focusrite Scarlett 8i6 zusammen. Den Tipp für dieses Soundmodul habe ich von der Keyboard-Abteilung von Thomann bekommen, die auch sonst extrem hilfreich beim Zusammenstellen meiner Hard- und Software waren.

Das Gerät verfügt über eine Vielzahl von Anschlussmöglichkeiten von denen ich folgende verwende:

  • MIDI In für den Anschluss des Masterkeyboards
  • Audio 1+2, die beiden Klinkenanschlüsse vorn nutze ich für E-Geige und E-Gitarre
  • Kopfhörer-Ausgang für den Klick beim Schlagzeuger
  • Main Output L+R gehen zum Mischpult

Sehr gut am 8i6 sind die zwei unabhängigen Stereo-Ausgänge, die ich für den Ausgang zum Mischpult und den unabhängigen Monitorweg, also den Klick für das Schlagzeug, benutzen kann. Wer diese Anforderung nicht hat, kann hier sehr viel kleiner ran gehen. Es gibt auch Soundmodule, die keine externe Stromversorgung brauchen und wenn man ein Masterkeyboard mit USB-Anschluss hat kann man auch auf den MIDI-Anschluss verzichten. Es gibt auch Keyboards die gleich einen Stereoausgang haben. Mit solchen Geräten kann man seinen Bühnenaufbau auf Notebook + Keyboard mit einem USB-Kabel und Audiokabel reduzieren.

Überfordert fühle ich mich auch noch nach einiger Zeit mit dem digitalen Mixer des 8i6. Dieser ist wahnsinnig flexibel. Aber wenn ich mal irgendetwas verstellt habe, brauche ich vergleichsweise lange, um wieder den gewünschten Zustand herzustellen. Der Mixer bietet aber die Möglichkeit, Setups zu speichern. Ich muss jedoch zugeben, dass ich mir das Bühnensetup sicherheitshalber einfach auf einen Zettel aufgeschrieben habe.

Keyboard

Als Masterkeyboard kommt bei mir ein Korg X3k zum Einsatz. Das Keyboard spiele ich schon seit 20 Jahren oder so. Ich könnte das Keyboard auch als Klangerzeuger benutzen und über weitere Eingänge im 8i6 mit den virtuellen Instrumenten zusammen mischen. Da ich aber gerne die Sounds bei mir zu Hause bastle, mache ich gerne alles über die virtuellen Instrumente, was für mich alles auch etwas vereinfacht, weil alles an einem Ort und zusammen speicherbar ist. Klanglich mache ich dabei durchaus Kompromisse. Denn es gibt einige Sounds, die beim X3k wirklich fantastisch klingen und die ich so genau nicht virtuell nachgebildet bekomme. Gleiches gilt auch für meinen guten alten Waldorf Microwave XTk und den ESI 4000. Aber Kompromisse muss man halt machen.

Fußtaster

Den X3k habe ich übrigens ausgewählt, weil er die Möglichkeit hat, einen Fußschalter als „Program Up“ zu programmieren und somit die Patches während der Lieder einfach jeweils durch treten des Schalters weiter zu schalten. Die Hände habe ich so permanent frei. Außerdem kann ich den gleichen Fußschalter dann für Geige und Gitarre benutzen. Als Fußschalter benutze ich einen Boss FS–6, den ich auf dem X3k so programmiert habe, dass der linke Taster als Haltepedal arbeitet und der rechte zum Umschalten der Sounds dient. Schön am FS–6 ist, dass man mit einem Insert-Kabel arbeiten kann. Das ist ein Klinkenkabel, das auf der einen Seite einen Stereo-Stecker hat und auf der anderen Seite zwei Mono-Stecker. Die Stereo-Seite kommt in den Fußschalter, die beiden Mono-Stecker in die Eingänge des Keyboards. Dadurch habe ich nur ein Kabel runter zum Fußschalter und nur eine Seite, die ich vertauschen könnte (leicht mit einem Stück farbigem Isolierband auf Kabel und Keyboard zu verhindern).

Rack, Kabel, Ständer

Für das Notebook gibt es einen praktischen Ständer, bei dem es sich um einen umfunktionierten Notenständer aus Stahl handelt. Man kann sich Keyboard und Notebookständer einigermaßen platzsparend auf der Bühne zusammen stellen. Keyboardständer mit angebauter Halterung für Notebooks habe ich zwar auf der Bühne schon gesehen, aber noch nicht im Laden gefunden. Hier ließe sich noch einmal etwas Platz auf der Bühne sparen.

Ursprünglich hatte ich einfach das 8i6 auf den Boden unter das Notebook gestellt. Im harten Einsatz hatte sich das jedoch als unpraktisch herausgestellt. Daher habe ich mir jetzt eine billige Rack-Kiste gekauft und eine 19″ Steckdosenleiste, die DI-Box und das 8i6 mit eingebaut. Vorteil: Ich brauche genau einen Stromanschluss an der Kiste. Die Steckdosenleiste hat zwei Anschlüsse vorn für Keyboard und Notebook. Alle anderen Geräte sind in der Kiste fertig und fest verkabelt, was wiederum Aufbauzeit verkürzt und Fehlerquellen minimiert.

Grundsätzlich kann ich jedem nur den Tipp geben, auf der Bühne so weit wie möglich was? zu reduzieren. Dabei muss man oft Kompromisse eingehen. Manchmal ist etwas mehr „Hardware“ (siehe z.B. Steckdosenleiste und Rack) hilfreich, um den Aufbauaufwand zu reduzieren. Alles sollte lieber einen Tick stabiler und schwerer sein, als nötig, denn es passieren immer unvorhergesehene Dinge auf der Bühne und dann hilft Masse oft, das Schlimmste zu verhindern. Kabel binde ich wenn möglich mit Klettbändern am Keyboard- und Notebookständer an, damit keiner drüber stolpert. So lassen sich auch leicht Kabel rollen, um zu lange Kabel auf die aktuellen Bedürfnisse zu kürzen. Leider zeigen sich die Schwächen immer erst im Einsatz, so dass so ein Setup wohl ständig überarbeitet und optimiert werden muss. Wobei man immer aus den Fehlern der letzten Auftritte lernt. In einem weiteren Artikel werde ich auf das Software-Setup eingehen.