So lebt es sich miteinander: Wir brauchen mehr Separses

Nachdem wir ja nun mehr oder weniger erfolgreich die Raucher in den Restaurants und Cafés vor die Tür gesetzt haben, kommen jetzt die Kinder dran. Nein, rausgeworfen werden die natürlich nicht. Aber es gibt halt den Raum für die Kinder und den Raum für ohne Kinder. So wie man das ja auch mit den Nichtraucherräumen machen kann.

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Da ist am Ende dann ja jedem geholfen. Die Eltern mit Kinder können im einen Teil des Cafés bleiben und diejenigen, die keinen Kakao auf der Hose und vor allem kein Kindergeschrei und sonstigen Kinderlärm haben wollen haben ihren Platz abseits.

Das Modell lässt sich sicher auch erweitern.

Also was als erstes folgen muss sind die Separees für rauchende Eltern oder Raucher, die Kinderlärm nicht stört, sowie nichtrauchende Eltern und Ältern ohne Kinder. In der Bahn wird uns ja bereits vorgemacht, dass wir eigentlich auch Mobilfunkfreie Zonen haben möchten. Warum gibt es hier eigentlich noch keine Unterscheidung im Sinne mit WLAN für das Arbeiten Online aber bitte ohne lästiges Telefonieren. Zur Gleichberechtigung sollte es dann auch rentnerfreie Zonen geben. Denn wer erträgt schon das Gebrülle der schwerhörigen Greise und die Diskussionen um unterschiedliche Krankheiten und die Frage, ob die Ilse nun vor oder nach dem Hotte gestorben ist und deshalb die Kaffeefahrt nach Sylt mit den Schlunskis vor oder nach 1928 gewesen sein muss. Jugendliche trinken immer zu viel und sind auch laut. Ausserdem spielen sie sich die neuesten Klingeltöne auf den Handys vor – egal, ob mit oder ohne Empfang.

Ich träume von einer Tischreservierung beim Italiener bei mir um die Ecke: „Einmal für vier Personen mit Kleinkindern in der rentnerfreien, jugendfreien Zone ohne WLAN dafür mit Handyempfang für 18:30 Uhr morgen Abend.“

3 Gedanken zu „So lebt es sich miteinander: Wir brauchen mehr Separses“

  1. Das Grundproblem ist eher, daß offenbar die normale soziale Kontrolle und vor allem die Einschätzung, welche Einschränkungen das eigene Handeln für andere bedeutet immer stärker verloren geht – ich behaupte daß dies nicht zuletzt genau eine Folge der vielen Regeln ist. „Wenn es keine Regel dagegen gibt, dann kann ich es ja machen“, das eigene Denken, die Reflexion des eigenen Handelns wird durch diese vielen Regeln ausgeschaltet und verschlimmert so den Zustand an den Punkten, wo wir noch keine Regelungen haben.

    Es gibt im Verkehrsbereich xperimente, wo man Schilder und überbordende Regelungen in einigen Orten abgeschafft hat. Da gelten einfache, klare Vorfahrtsgrundregeln. keine Ampeln, keine Vorfahrtsschilder. Eifnach rechts vor links. Man hat erstaunt festgestellt, daß dies eine Menge Agression aus dem Verkehr nahm, umsichtigeres und kooperativeres Verhalten war die Folge.

    Olli, der keine Regeln gegen Kinder braucht, in einem Restaurant aber trotzdem manchmal gerne seine Ruhe hätte.

  2. Dem Beitrag kann ich mich anschließen. Es geht wohl hauptsächlich um gute Manieren. In einem Beitrag um die Aktuelle Ausgabe „vom Knigge“. Fasste jemand so schön zusammen: „Gute Manieren sind die Kunst, es seinem Gegenüber leicht zu machen, sich in seiner Gegenwart wohl zu fühlen.“

    Ich kann nach fast zwei Monaten Elternzeit sehr gut nachvollziehen, dass man mal Ruhe vor Kindern haben möchte. Und das ist auch machbar. Das ist auch selbst in Prenzlauer Berg am Vormittag machbar. Man braucht tatsächlich die Toleranz von einer Seite und die Aufmerksamkeit gegenüber seiner Mitmenschen auf der anderen Seite. Egal, ob man es mit dem „wichtigsten Gebot“ von Jesus Christus hält („Liebe Deinen nächsten, wie Dich selbst.“) oder ob man es einfach nur „Respekt“ nennt. Es läuft immer darauf hinaus, dass jeder – und das betrifft die Eltern kleiner Kinder genauso, wie die Leute, die eigentlich nur ihre Ruhe haben wollen – in irgendeiner Form Rücksicht nehmen muss.

    Meine Kinder verhalten sich im Café anders, als zu Hause. Wenn ich merke, dass sie die anderen Gäste übermäßig stören, dann muss ich sie halt unter den Arm nehmen und mit ihnen raus. Dabei lernen sie tatsächlich noch was dabei und meist geht es auch irgendwann beim zehnten oder zwölften Mal besser. Auf der anderen Seite sollte mir als Vater eines ein- und eines dreijährigen klar sein, dass meine Kinder keine drei Stunden ruhig neben mir sitzen und ihren Kakao schlürfen werden. Es geht also nicht nur darum, sich in die anderen Cafégäste zu versetzen, sondern natürlich auch ganz sicher in die eigenen Kinder. Dafür braucht es keine geschriebenen Regeln. Den Kindern aber Regeln zu vermitteln, ist erst einmal das beste, was man als Eltern tun kann.

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