Kündigung meines StayFriends-Kontos

Da werden sich vermutlich einige Freunde wundern: „Will der nix mehr von uns wissen?“, „Was ist denn da vorgefallen?“ Noch bevor das Jahr 2009 zu Ende geht, habe ich meinen wohl durchdachten Entschluss in die Tat umgesetzt.

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Die Idee hinter StayFriends ist die, alte Freunde wieder zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten. Der einfache Dienst ist kostenlos, um aber tatsächlich in Kontakt treten zu können, muss man zahlungswilliger Gold-Kunde werden.

Ich habe nichts dagegen, alte Schulfreunde zu finden oder Kontakt zu halten. Ich denke auch, dass so ein Internetportal dafür ein geeigneter Weg sein könnte. Leider liegt der Teufel wie immer im Detail.

Damit ich gefunden werden kann, muss ich zunächst ein paar Daten über mich bei StayFriends hinterlassen. Natürlich müssen die relevanten Daten auch durchsuchbar sein. Die Angabe ist freiwillig. Hier ist es mir also selbst überlassen, was ich alles preisgeben möchte und was ich lieber für mich behalte. Das Dilemma zwischen Datenschutz und dem Gefundenwerden kann ich in Eigenverantwortung lösen. Das ist für mich ok.

Das Geschäftsmodell von StayFriends sieht nun so aus, dass man alle Daten kostenlos aufnimmt und präsentiert, dass zur Kontaktaufnahme jedoch einer der beiden Kommunikationspartner ein zahlender Kunde sein muss. Und das heisst: Regelmäßige Zahlung. Und das sehe ich nicht ein. Hier ist für mich kein echtes Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen. Zumal man ja auch völlig ohne Portal und auf ganz herkömmliche Art und Weise Kontakt halten kann, wenn einem wirklich etwas daran liegt.

So wird meine Mailbox bei StayFriends für meine alten Schulfreunde etc. zum schwarzen Loch. Man kann mir schreiben, aber für das Lesen der Nachrichten muss ich erst Lösegeld bezahlen. Da fände ich es fairer, wenn man mit einem Mausklick sagen könnte: Seht her, Thomas Hildmann ist kein Gold-Mitglied und wird es auch nicht werden. Wenn Du nicht dafür zahlst, das er Deine Nachrichten bekommt, dann ist Kommunikation leider nicht möglich. Die Nachricht erst anzunehmen, dann aber die Zustellung erpresserisch zurückzuhalten ist in meinen Augen kein unterstützenswertes Geschäftsgebaren.

Weiterhin habe ich ein Problem mit dem Abfragen von Informationen über dritte – konkret hier meine Freunde. In StayFriends sind neben den Daten, die ein Finden der Personen ermöglichen sollen und die Beziehungen der Personen untereinander (Schulfreund, Freund, Familie, etc.) auch weitere Attribute erfasst. Dazu gehört z.B., wer mich in der Schule „clever“ fand oder wessen „Schwarm“ ich war oder bin. Das sind so Dinge, die a) nicht valide sind und b) irgendwie auch nur mich und meine Schulfreunde etwas angeht. Ob es überhaupt relevant ist, wage ich mal zu bezweifeln. Diese Fragen werden jedoch nicht dem Betroffenen gestellt, sondern dessen Freunden. Das läuft ganz nach dem Motto: „Wenn Du uns nix weiter erzählst, dann frage ich halt Deine Freunde weiter über Dich aus.“ Das ist – jetzt mal ungeachtet der Relevanz der abgefragten Daten – für mich ein Argument auszusteigen. Ich werde nicht gefragt, ob ich an diesem Beliebtheitsspiel mitmachen möchte andere werden aber aufgefordert, Informationen über mich preiszugeben. Nein, das geht definitiv nicht!

Es geht mir nicht darum, dass ich verhindern könnte, dass gerade in diesem Moment mein Freund Olli einen Blogartikel oder ein Tweet über mich schreiben könnte, den ich lieber nicht im Netz gefunden hätte. Aber in diesem Fall hat er es in seiner Verantwortung und aus seiner Motivation heraus gemacht. Ich verwehre mich gegen das systematische Ausfragen meiner Freunde über mich. Und wer weiss, welche Attribute als nächstes abgefragt werden.

Und da sind wir bei einem weiterem Problem, dass ich mit StayFriends habe: Offensichtlich werden in das System alle x Monate neue Funktionen eingebaut. Wenn ich gerade keine Zeit habe, mich darum zu kümmern, was da gerade abgeht, laufen da Umfragen, Spiele, was weiss ich mit meinen Klassenkameraden und mir, von denen ich gar nichts weiss, die mich ggf. aber stören. Eine Einwilligung ist jeweils grundsätzlich nicht nötig. Da meine Zeit begrenzt ist und ich das Rauschen um mich herum gering halten möchte (wir sind schon genug gefordert – z.B. von Behörden, die plötzlich etwas von einem wollen, auf das man sofort reagieren muss oder Vermieter, die einem die Proberäume kündigen), muss ich mich von diesem Dienst trennen.

Ich möchte mit zwei Aufforderungen schließen:

  1. Denkt mal selbst darüber nach, wie ihr zum Geschäftskonzept von StayFriends und der Datenbehandlung steht. Vielleicht möchte ja der eine oder andere korrigierend auf die Betreiber einwirken und vielleicht findet sich ja eine Möglichkeit, mich als verlorenen Sohn wiederzugewinnen.
  2. Wer von meinen Kontakten gerne mit mir Kontakt halten möchte, schreibe mir einfach eine E-Mail. Das geht kostenlos, hinterlässt weniger Spuren und birgt auch nicht die Gefahren unerwarteter Features, die man lieber nicht haben möchte.

4 Gedanken zu „Kündigung meines StayFriends-Kontos“

  1. Ich kann mich nur dem Erstredner (weitere Kommentare habe ich nicht gelesen) vorbehaltlos anschließen. Ich betrachte „Stayfriends“ als eine etwas subtilere und einfallsreichere Art, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, verglichen mit einschlägigen Single-Portalen. Der Grundgedanke jedoch ist gleichermaßen durchtrieben und abscheulich.

    Wer sich mal eine Minute damit auseinandersetzt, sollte zu demselben Schluss kommen: Abzocke!!!

  2. Heute hat sich was ereignet, das mich wieder zu stayfriends geführt hat.
    Eine alte Bekannte schreibt mir vor bald 4 Jahren und ich hab diese Nachricht erst jetzt erhalten,
    da sie nun Bezahlkundin ist.

    Irgendwie ist das doch schwachsinnig, diese Nachrichten zurückzuhalten.
    Ist das Social?

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